Vom 09.03.2015 -- Cornelia Klaebe
Wie Frank nach meiner Recherche verschwand

Mittwochmorgen, dritter Praktikumstag bei der Digital-Redaktion der Neuen Osnabrücker Zeitung. Ich frage, was es zu tun gibt. „Wir haben uns überlegt, dass wir lange keine Obdachlosenreportage mehr hatten. Hast Du Bock?“ Ich schlucke. „Na klar hab ich Bock!“

Das Thema ist sicher nicht leicht, aber ebenso sicher ergiebig. Einen Auftrag abgelehnt habe ich noch nie, habe es auch diesmal nicht vor. An diesem Tag recherchiere ich erst mal im Internet. Frage auch mal andere, wie sie das angehen würden. Die heißen Tipps lauten: „Bring ihm ’nen Kaffee mit“ und „Beginne mit ‚Guten Morgen’.“

Kaffee und Burger für Frank

Am nächsten Morgen komme ich warm angezogen in die Redaktion, schnappe mir die Kamera und los geht’s. Eine Stunde streife ich durch das noch unbekannte Osnabrück, dann finde ich Frank. Er sitzt vor einem Geschäft, dessen Namen ich nicht nennen soll, damit er keinen Ärger kriegt. Ich sage „Guten Morgen“, und wir kommen ins Gespräch. Als erstes gehen wir einen Kaffee trinken. Nachdem wir uns bei Backwerk aufgewärmt haben, ziehen wir los, um ein Foto vor der Johanneskirche zu machen. Dann sitze ich noch bis mittags neben Frank vor seinem Geschäft. Er sitzt dort immer, seit über einem Jahr, erzählt er mir.  

Als ich mich gegen ein Uhr verabschiede, frage ich: „Willst du noch einen Kaffee? Oder was zu essen?“ Frank verneint. Ich gehe zu McDonald’s, aber die Erfahrung hat mich mitgenommen. Meine Pommes kriege ich kaum runter, den ChickenBurger gar nicht. Kurzerhand klappe ich die Schachtel wieder zu und bringe sie auf dem Rückweg Frank. Er freut sich. Auf dem Weg in die Redaktion schaue ich mich noch einmal um, da sitzt er und stopft hastig den Burger in sich hinein. Es ist das letzte Mal, dass ich Frank sehe.

Storytelling und Reportageseite

Meine Recherche geht weiter, ich mache noch Besuche bei den Sozialen Diensten SKM (Sozialdienst Katholischer Männer) und bei der Bahnhofsmission. Mit Frank würde ich gern noch ein Video drehen, „Drei Fragen an Frank“. Aber er sitzt nicht mehr vor seinem Geschäft. Auch als ich noch einmal mit einem Fotografen durch die Stadt ziehe, um weitere Bilder zu machen, finden wir Frank nicht.

Meine Geschichte über Frank erscheint auf noz.de als multimediales Storytelling und einen Tag später als ganzseitige Reportage in der Samstags-Printausgabe. Ein Mann ruft in der Redaktion an, will für Frank spenden. In der Redaktion können wir Spenden nicht entgegennehmen, zu viel Aufwand neben dem stressigen Alltag. Aber ich rufe beim SKM an und frage, ob sie dafür sorgen können, dass Frank das Geld bekommt. Sie können; ich rufe den Leser zurück und verweise ihn dorthin. Vom SKM erfahre ich, dass dort schon jemand angerufen habe, der Frank einen Job anbieten will.

Ich hoffe, es geht ihm gut

Mein Praktikum geht insgesamt sechs Wochen, und wann immer ich durch die Stadt gehe, halte ich Ausschau nach Frank. Aber er bleibt verschwunden. Ich hoffe, es geht ihm gut, und ich wünsche ihm sehr, dass er den Sprung aus der Obdachlosigkeit geschafft hat. Das war sein größter Wunsch.

Hier geht's zur Storytelling-Reportage.