Vom 13.10.2014 -- Michael Merten
Verdammt, was soll ich anziehen!? Bella Figura für Schloss Bellevue

Und wenn der Chef im KNA-Hauptstadtbüro freitags mitteilt, dass man montags zur Verleihung von Verdienstorden den Bundespräsidenten besuchen soll, ist der erste Gedanke: Wow, endlich seh ich das „Weiße Haus“ mal von innen! Zweiter Gedanke: Verdammt - hab ich überhaupt was Passendes im Kleiderschrank?

In seinem besten Zwirn würde der Durchschnittsdeutsche dort wohl hineinmarschieren. Doch einen Anzug gibt es nicht in meinem (doch recht umfangreichen) Berlin-Gepäck. Bloß ein Hemd und ein helles Sakko. Dazu Jeans. Immerhin eine recht neue, vom ersten Volontärsgehalt gekauft. In einem früheren Leben habe ich ernsthaft mehrere Anzüge besessen. Außerdem sechs (!) Waschmittel  (je eins für Dunkel, Color und Weiß, dazu Weichspüler, Spezialmittel für Wolle und Feines sowie für Sport- und Funktionstextilien).

Man wird ja nicht nur älter, sondern auch entspannter

Aber man wird ja älter, entspannter. Heute nutze ich nur noch ein Waschmittel für alle Lebenslagen. Ein Bügeleisen habe ich nach einmaliger Testnutzung an Mutter zurückgegeben. Denn richtig gehängt, ist halb gebügelt.

Zurück zur Kleiderfrage. Auf Facebook frage ich: Kann ich so leger da hineinspazieren? Die anderen Volos sagen:

"Hallo?! Ich war beim Innenminister in Hotpants - you know?“

"Nimm eine ordentliche Jeans - auf Radlerhosen oder Multifunktionshose solltest du verzichten“

"Du bist Journalist, nicht Botschafter.“

Sie haben Recht. Außerdem, wir sind hier in Berlin! Ich entknittere das gute alte Sakko und denke mir: Gerade hier, in der Hauptstadt der gestriegelten Anzugträger, darf ein Journalist auch einfach mal ganz locker herumlaufen.