Vom 12.02.2015 -- Anna Eckart
Herz aus, Kopf an

Die Nachricht kommt Donnerstag spät am Abend und trifft mich wie ein Paukenschlag: Fernsehpfarrer Dietmar Heeg ist tot. Ein schlechter Scherz? 1000 Gedanken schießen mir durch den Kopf. Gerade einmal 50 Jahre ist er alt geworden. Den Kampf gegen den Krebs hat er verloren. Seit meinem Praktikum bei der katholischen Fernseharbeit in Frankfurt – Dietmar Heegs Arbeitsplatz – stand er mir mit Rat und Tat immer zur Seite – als Mentor und als lieber Freund.

Schlaf wird in dieser Nacht komplett überbewertet. Weil es jedoch meine erste Woche im Praktikum bei der Produktionsfirma „Alpha Entertainment“ in Köln ist, entschließe ich mich am nächsten Tag trotzdem zur Arbeit zu gehen. Bereits in der ersten Woche fehlen – das muss nicht sein. Zumal Dietmar selbst mir einige Wochen zuvor den Kontakt zu Alpha Entertainment hergestellt hatte. Ein bisschen Ablenkung wird gut tun, denke ich mir. Aber der Plan geht nicht auf.

Trauer versus Arbeit

Die Stimmung bei der Arbeit ist erdrückend. Die Firma „Alpha Entertainment“ arbeitet unmittelbar mit der Katholischen Fernseharbeit in Frankfurt zusammen, wo Dietmar Heeg bis zuletzt gearbeitet hat. Man kennt sich also, denn Dietmar war vor und hinter der Kamera präsent und hat die Kollegen bei Kirchenthemen beraten. Die meisten haben die traurige Nachricht bereits gehört, einige sind sichtlich geschockt. Keiner kann es begreifen. Dietmar Heeg hat die katholische Medienarbeit maßgeblich geprägt – als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Sendergruppen von RTL und ProSiebenSAT.1., was für ihn mehr war als ein Beruf. Es war eine Berufung.
 

Gefühlt alle fünf Minuten klingelt an diesem Freitag das Telefon. Vertreter der Sender SAT.1 und RTL sind in der Leitung sowie verschiedene Filmproduktionsunternehmen und Filmproduzenten. Einige wollen Gewissheit über die Nachricht von Heegs Tod, andere geben zusätzliche Aufträge durch. Obwohl jeder von uns im Büro angespannt und traurig ist, müssen wir, so gut es geht, weiter arbeiten. Denn das Tagesprogramm ist voll: Ein Nachruf muss her sowie diverse Texte für Facebook, Twitter & Co. Außerdem soll ein Video in Erinnerung an Dietmar Heeg zusammengestellt werden.

Letzte Ehre erweisen

Gemeinsam mit einem Cutter sichtet meine Chefin das Schnittmaterial von vergangenen Drehs mit Dietmar. Ich setze mich an den Nachruf. Persönlich soll er werden, jedoch auf beruflicher Ebene. Soweit kein Problem, denn ich kannte ihn gut und einige biografische Daten sind schnell gefunden. Schwieriger wird es für mich, als ich parallel aus dem Schnittraum Dietmars Stimme höre. Die Nachricht seines Todes zu erhalten, war eine Sache. Ihn auf dem Bildschirm zu sehen und zu hören eine ganz andere. Trotzdem muss der Beitrag fertig werden. Während sich meine Chefin weiter den vielen Anrufern widmet, schneide ich mit dem Cutter den Beitrag fertig. Herz aus, Kopf an – das ist leichter gesagt, als getan. Eine harte Prüfung, die auch zum Alltag eines Journalisten gehört. Auch wenn mich der Verlust traurig macht, so bin ich dankbar, ihm diese letzte Ehre erweisen zu dürfen. Ihm, meinem Mentor und lieben Freund.

Hier gehts zum Video.