Vom 23.10.2014 -- Ann-Christin La...
Geteilte Erfahrungen

Erfahrungen sammeln ist im Volontariat nichts Neues. Das muss nicht extra erwähnt werden - wir Volontäre tun es ständig. Die Erfahrungen, die ich aber neulich machen durfte, waren für mich nicht alltäglich. Als Volontärin einer Bistumszeitung arbeite ich in der Redaktion mit und treffe höchstens bei Terminen mal den einen oder anderen Leser unserer Zeitung. Direkte Rückmeldung von unseren Lesern bekommen vor allem die Kollegen aus dem Vertrieb.

Nun fand neulich in Unterfranken, wie alle zwei Jahre, eine regionale Messe für Verbraucher statt. Das Sonntagsblatt war dort an einigen Tagen mit einem Stand präsent, der von jeweils einem Redakteur besetzt wurde. So konnten auch wir, die häufig hinter dem Schreibtisch sitzen und nur vereinzelt Leser persönlich kennenlernen, die Chance nutzen und mit den Besuchern ins Gespräch kommen. Und mit Besuchern sind nicht nur diejenigen gemeint, die das Sonntagsblatt bereits abonniert haben, sondern auch jene, die mit Kirche nur wenig anfangen können und schon bei dem Wort "katholisch" im Titel unserer Zeitung zusammenzucken.

In diesen Stunden, in denen ich unseren Stand betreut habe, konnte ich viele tiefgehende, kritische und erfüllende Gespräche zugleich führen. Den Kontakt zu den Lesern pflegen – das funktioniert am besten persönlich, "face-to-face". Und hat mich beeindruckt. Da war der ältere Mann, der strahlend auf mich zukam, als er unseren Stand erblickte, meine Hand nahm und mir mit leuchtenden Augen erzählte, dass er seiner pflegebedürftigen Frau jede Woche das Sonntagsblatt vorlese und es ihr dabei immer besonders gut ginge. Der Mann hat sich dafür bei mir bedankt, obwohl er mich gar nicht kennt. Stellvertretend für die ganze Redaktion natürlich, aber trotzdem – eine Begegnung, die mich tief berührt hat.

Ich erinnere mich an die Familie, die ebenfalls unsere Zeitung abonniert. Während die Kinder sich Stifte und Schlüsselanhänger am Stand aussuchten, erzählte die Mutter mir, dass sie sich Sorgen mache. Es werde immer schwieriger, die Kinder für Kirche zu begeistern. Oftmals weigerten sie sich, am Sonntag den Gottesdienst mit ihren Eltern zu besuchen. Man merkte der Mutter an, wie wichtig es ihr ist, dass ihre Kinder den Glauben nicht verlieren. Weil sie wohl ahnte, dass meine eigene Jugendzeit noch nicht lange zurückliegt, fragte sie mich, wie der Weg bei mir verlaufen sei. Ich erzählte, dass es auch in meinem Freundeskreis immer mal Zeiten gegeben hätte, in denen der ein oder andere "keine Lust auf Kirche" gehabt hätte. Unser Gespräch hat ihr mit Sicherheit keine Lösung auf dem Silbertablett serviert. Ob es gereicht hat, ihr Mut zu machen? Hoffentlich.

Natürlich habe ich auch Kritik einstecken müssen: Von Lesern, die ihre Gemeinde im Sonntagsblatt vermissen und meinen, dass wir die entsprechenden Artikel extra aus der Zeitung streichen; von jungen Menschen, die behaupteten, wir würden nur "altmodische" Themen aufgreifen; von Menschen, die einfach froh waren, jemanden gefunden zu haben, der für die katholische Kirche arbeitet und bei dem sie ihren Ärger und Frust auf die Institution Kirche ohne konkreten Grund loswerden konnten. Selbst diese Gespräche haben mich um einige Erfahrungen reicher gemacht, mich zum Nachdenken gebracht und manchmal auch traurig gestimmt – weil ich gemerkt habe, dass es gerade in diesen für Kirche schwierigen Zeiten manchmal mühsam ist, diesen Menschen eine gute Antwort zu geben. Als ich abends die letzten Sonntagsblätter am Stand verteilt hatte, war ich zwar müde, aber dafür erfüllter als an manch einem Arbeitstag im Büro.