Vom 30.06.2020 -- Johannes Weedermann
Wetten, wie das Wetter wird

Nun wohne ich schon neun Monate in Trier, der (angeblich) ältesten Stadt Deutschlands. Der Stadtname war mir an sich bekannt, doch in Trier war ich vor meinem Volontariat noch nicht. Schließlich ist es von meiner Heimat Thüringen aus nach Trier knapp 500 Kilometer weit… Und so hatte ich nie die Möglichkeit die Bauten aus den verschiedenen Jahrhunderten in „Augusta Treverorum“ zu besichtigen: Porta Nigra, Kaiserthermen, Konstantinbasilika und natürlich die älteste Bischofskirche Deutschlands, den Dom. Jedes Mal, wenn ich in ihn hineinschreite, staune ich über diesen gigantischen Anblick. Und ich war schon oft darin, denn mein Arbeitsplatz ist direkt neben der Kathedrale.

Seit neun Monaten fahre ich mit dem Fahrrad durch Trier. Zur Arbeit geht’s bergab, auf den Weg in die Wohnung bergauf, denn meine Wohnung liegt eben fast auf einem „Berg“… Das Fahrradfahren ist zum Teil sehr anstrengend – vor allem den „Berg“ hinauf… Aber ich als jemand, der froh war, als ich in der Schule keinen Sport mehr hatte, sage mir: „Wenn ich auf dem Weg zur Arbeit und zurück mich ‚sportlich‘ bestätige, muss ich wenigstens nicht noch zusätzlich anderen Sport betreiben…“

Neben der „Schwierigkeit“, das Fahrrad den Berg hinaufzufahren oder eher hinaufzuschieben, zeigte sich im vergangenen Dreiviertel-Jahr noch ein anderes mehr oder weniger kleines Problem: Von Oktober bis Dezember regnete es fast nur, dann kam der kalte Winter und dann der Frühling mit seinen fast schon sommerlichen Temperaturen. Auf dem Fahrrad bin ich allen Witterungsbedingungen ausgesetzt. Eigentlich bin ich ein Regen-Fan. Aber auf dem Fahrrad scheint mir der nicht allzu passend. Und ausgerechnet dann, als ich nicht das Fahrrad zur Arbeit nutzen musste oder ich nicht in Trier war, war meiner Meinung nach perfektes Fahrrad-Wetter (Sonnenschein, aber nicht zu hohe Temperaturen).

Aber nach einem anstrengenden Arbeitstag tut eine Fahrt auf dem Fahrrad auch ganz gut. Zeit zum Durchatmen, Zeit zum Nachdenken – auch wenn es regnet oder stürmt.

Wenn man Fahrrad fährt, ist es auch schwierig die passende Kleidung für den Tag zu finden: früh kalt, abends warm. Und weil man sich auf die Temperatur- und Wettervorhersagen auch nicht zu 100 Prozent verlassen kann, ist die Frage nach der passenden Kleidung für das Wetter schon eine Art Wette.