Vom 26.07.2019 -- Caroline Wagner
Schlechte Tage gibt es nicht

Wenn das ifp schreibt: „Überlegt euch ein Thema“, dann löst das in vielen von uns erstmal Stress aus: Kaum einer von uns arbeitet in München und kennt sich dort aus. Ein Thema vom Schreibtisch aus zu suchen – 300 bis 400 km entfernt – ist gar nicht so einfach und einen Termin zu den vorgegebenen Zeiten zu vereinbaren erst recht nicht. Das hat schon den Einen oder Anderen Nerven gekostet.

Im Mai war es dann für mich wieder so weit. Für unser Mobile-Reporting-Seminar war ich auf der Suche nach einem bildstarken Thema und bin schließlich bei den Klinikclowns gelandet. Überraschend schnell kam die Rückmeldung, dass es klappt. Drei Klicks und einen Anruf später hatte ich auch schon die Drehgenehmigung des Krankenhauses in der Hand. Das läuft ja super – dachte ich und konnte entspannt nach München fahren.

Dort angekommen wurde mir dann allerdings klar, dass ich vor lauter „Denken in Bildern“ ausgeblendet hatte, wohin ich gehe: Eine Kinderstation. Genauer gesagt: die Kardiologie. Dort liegen die Kinder teilweise schon ihr ganzes Leben lang, weil sie auf ein Spenderherz warten. Und plötzlich habe ich mich mit all den Fragen beschäftigt, die ich vorher beiseitegeschoben hatte:  Wie geht es den Kindern, denen ich begegne? Wie werden sie reagieren? Würden Eltern überhaupt zustimmen, dass ich ihre Kinder filme? Und wie sollte ich die Eltern danach fragen?

Dann kam der Drehtag. Aufgeregt machte ich mich nachmittags auf den Weg. Ich hatte mich mit Nadia und Luitpold, die die Clowns Pomodoro und Lupino spielen, in der „Einkaufszeile“ des Krankenhauses verabredet. Nun stand ich dort also und wartete… Viele Freunde, mit denen ich vorher darüber gesprochen hatte, haben gemeint, dass Klinikclowns alles andere als lustig seien. Nadia und Luitpold haben mich vom Gegenteil überzeugt und zwar in der Sekunde, als ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Denn in dem Moment, als die beiden den Flur entlang schlenderten, waren sie schon in ihrer Rolle: Lupino lief summend im Zickzack und spielte Luftgitarre, Pomodoro schlenderte fröhlich den Flur entlang. Und ich? Ich musste einfach lächeln – und ein Großteil meiner Anspannung ist dabei abgefallen. Die beiden waren so offen und herzlich und ich habe gemerkt: Sie freuen sich, dass ich sie begleite und sie nehmen sich Zeit für mich. Das ist ein großer Vorteil im Journalismus und besonders wenn ein Video gedreht wird. Wir haben uns dann zusammen auf den Weg zur Station gemacht und hier gab es für mich gleich eine gute Nachricht: Die Stationsleitung hatte vorab schon geklärt, welche Kinder ich filmen durfte und welche nicht.

Und dann ging es los: Ich bin mit Pomodoro und Lupino ins erste Zimmer gegangen und dort habe ich auch den Rest meiner Anspannung abgelegt. Ich habe mich nur auf den Moment konzentriert und erlebt, wie sehr sich die Kinder freuen und auch die Anspannung bei den Eltern für kurze Zeit abfällt. Wie schaffen die Clowns das? – habe ich Nadia gefragt. Ihre Antwort: „Wir lassen unsere privaten Sorgen und Ängste in der Sekunde, in der wir das Kostüm anziehen, zurück. Sowas wie schlechte Tage gibt es für uns nicht.“

Lachen schenken - Unterwegs mit Klinikclowns