Vom 12.01.2015 -- Christoph Hartmann
Quer gestellt
Die Gegendemonstranten wünschen sich ein tolerantes und buntes Köln. Foto: Kölner Stadt-Anzeiger/ksta.de

Mit „Kölner gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Kögida) wollte die Pegida-Bewegung vergangene Woche in Köln Fuß fassen. Doch die Gegendemonstranten verhinderten, dass sich der Kögida-Zug überhaupt in Bewegung setzte. Eindrücke eines Abends, an dem schlussendlich nichts passiert ist.

Mit ein paar Kollegen mache ich mich auf den Weg zur Demo. Polizisten stehen vor der Hohenzollernbrücke. Sie kontrollieren uns zwar nicht, sind aber schon ein erstes Zeichen, dass mit einigem gerechnet wird. Kögida zieht vom Deutzer Bahnhof über eine Rheinbrücke bis zum Dom. So ist es jedenfalls geplant.

Als wir auf der rechten Rheinseite ankommen, weiß niemand so recht, wohin wir eigentlich sollen. Denn es gibt zwei Gegendemonstrationen gegen Kögida: Das bürgerliche Bündnis „Köln stellt sich quer“ und die eher linke Initiative „Kein Veedel für Rassismus“. Wir stranden direkt neben den Kögida-Anhängern bei der Kundgebung von „Köln stellt sich quer“.

Irrsinn und Falafel

Auf dem kleinen Platz drängeln sich Menschen jeder Altersgruppe, die Fahnen oder Plakate schwenken. Auf 250 Kögida-Teilnehmer kommen 7500 Gegendemonstranten, schätzt die Polizei später. Die Plakat-Sprüche der Gegner: Zum Beispiel „Kölner gegen den Irrsinn deutschnationaler Arschlöcher“ oder auch „lieber Falafel als einen an der Waffel“. Nach der Kundgebung passiert erstmal nichts, im abgesperrten Kögida-Bereich ist keine Bewegung.

Das bringt die Veranstalter der Gegendemo auf eine Idee: Wir sollen uns an die Wegstrecke stellen und „böse gucken“, wenn Kögida an uns vorbeizieht. Also wieder irgendwo aufstellen, wieder warten. 

Spalier für Kögida

Scheinbar anarchisch sind die Gegendemonstranten nun an die Hauptverkehrsstraße ausgeschwärmt und besetzen den Bürgersteig. Zwischen uns und dem Demonstrationsweg ist ein breites Band aus Polizeiwagen und Polizisten. Doch niemand sieht aus, als würde er bei der ersten Gelegenheit auf einen Kögida losgehen.

Doch wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Nach eineinhalb Stunden ist die Kögida-Demo immer noch nicht losgelaufen. Bei dem kalten Wetter wird es langsam ungemütlich.  Doch ich will bleiben. So langsam komme ich nämlich in den „Sensationsreporter-Modus“: Ich bin aufgekratzt. Was wird heute Abend noch passieren? Wie reagieren die Kögidas auf die Gegendemonstranten? Bleibt es friedlich?

„Nazis essen heimlich Döner“

Wir pirschen uns weiter die Straße entlang. Hier stehen jetzt die Demonstranten von „Kein Veedel für Rassismus“. Die sind eindeutig eher links und das hört man: Parolen wie „Nazis raus“ und „Nazis essen heimlich Döner“ machen die Runde, durch ein Megafon krächzt jemand, dass sich die Gedankengänge von Pegida/Kögida auch bei allen etablierten Parteien finden würden.

Im Gegensatz zur bürgerlichen Kundgebung ist es hier politisch aufgeladener, doch ich würde nicht sagen, dass die Leute (die alle eher jünger sind) aggressiv sind. Durch die Gegendemonstrationen sind die Straßenseiten entlang des Kögida-Zugweges besetzt. Kögida würde hier einen (verbalen) Spießrutenlauf erleben.

Die Kälte hat sich schon ein gutes Stück die Beine hinaufgekämpft, da schallt es durch das Megafon: „Die Kögida-Demo ist abgeblasen!“ Applaus kommt auf. Ich hatte zwar mehr Aktion erwartet, aber manchmal kann es auch ein Erfolg sein, wenn nichts passiert.

Hier der Abend auch nochmal zum Nachhören:

In Bonn haben #ifpblogger die "Bogida"-Demonstration beobachtet.