Vom 31.10.2014 -- Wiebke Brüggemann
Pasta, Poldi und der Papst – ein Praktikum bei Radio Vatikan in Rom
Petersdom

Pasta, Poldi und der Papst – mein Praktikum bei Radio Vatikan in Rom

Tag 1

Mein erster Praktikumstag bei Radio Vatikan begann um 10:30 Uhr. Italian Style. Kaum angekommen, folgte eine kurze Führung durch das Gebäude. Hier das Personalbüro, da die Aufnahmeboxen... Es ging alles so schnell, da ist kaum etwas hängen geblieben. Aber in den nächsten sechs Wochen sollte ich ziemlich schnell lernen, mich zurecht zu finden.

Poldi, kennste den?

Die gefühlte dritte Frage war: Kennst du eigentlich diesen Podolski und Özil? Was für eine Frage, war doch gerade erst das siegreiche WM-Finale. „Wunderbar, dann haben wir gleich eine erste Aufgabe für dich.“ Die beiden sollten bei einem interreligiösen „Match for Peace“, neben einem Haufen mir unbekannter Weltfußballer, zu einer Audienz beim Papst nach Rom kommen. „Versuch mal, die vors Mikro zu bekommen.“

Klar, nichts leichter als das. Also Passierschein für den Vatikan besorgen, bei der Audienzhalle anmelden und pünktlich um 15 Uhr in einem Pulk von Journalisten auf die Ankunft der Spieler warten. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber in der Audienzhalle konnte ich einen Platz in der ersten Reihe ergattern. Ein untertassengroßer blauer Fleck erinnerte mich auch drei Wochen später noch daran. Der Platz brachte mir aber nicht wirklich viel, denn ratet mal, wer nicht kam: Poldi und Özil. Die trainierten lieber für ein Deutschland-Spiel.

Aber weil es kein Vor und kein Zurück gab, genoss ich meinen Ausblick: Zum Anfassen nah ging eine kleiner, wohlgenährter Mann mit übergroßer Sonnenbrille, umzingelt von Journalisten und Selfies schießender Personen, an mir vorbei. Die Meute nannte ihn Maradona.

Papstaudienz

Als Papst Franziskus die Bühne der Audienzhalle betrat, wurde es ganz still. Er sprach in ein Mikro, aber ich konnte seine Stimme hören, bevor sie die Lautsprecher erreichte. Eine warme, in sich ruhende Stimme. Eine Stimme, die nicht laut sein musste, um den Raum zu füllen. Da stand er nun, der Papst, so nah, wie ich ihm im meinem Leben wohl nie wieder kommen werde. Ein einzigartiger Moment. So ging mein erster Tag – aus journalistischer Sicht zwar erfolglos – aber wunderbar zu Ende.

Dolce Vita

So verlief das Praktikum natürlich nicht weiter. Ab Tag 2 kehrte der Alltag ein. Der Alltag in einer ganz wunderbaren Stadt. Denn eines darf man vor lauter Nachrichten schreiben, Nachrichten schreiben, Nachrichten schreiben nicht vergessen: Das italienische Lebensgefühl. Meine „neue“ Nachbarschaft lässt sich am Besten so beschreiben: Beim Petersplatz gleich links. Mein Arbeitsweg so: Über den Petersplatz gehen, dabei den Touristen, Reiseführern und Ramschverkäufern ausweichen, die Engelsburg ansteuern, direkt davor links abbiegen und schon ist man da. Mein Lieblingsplatz für die Mittagspause: Der Park im Graben der Engelsburg. Dahin verirren sich selten mal Touris, sondern nur Römer mit ihren Hunden. Und ich mit einem Eis in der einen und meinem Kindle in der anderen Hand. Schnell hat man sich an Rom gewöhnt, an Arbeitszeiten von halb 11 Uhr bis 17 Uhr, eine Sechstagewoche... Angekommen ist man, wenn man ein Lieblingsrestaurant gefunden hat und Straßen überquert, ohne zu warten. Wer wartet, verliert. Die Autos halten schon an.

Begegnungen

Neben dem alltäglichen Wahnsinn, gab es viele Highlights. Eine Begegnung ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Im Rahmen einer Krisensitzung der Caritas Internationalis angesichts des IS-Terrors konnte ich den Bischof von Aleppo und Caritas Syrien Vorsitzenden, Antoine Audo, treffen. Eine beeindruckende Begegnung. Selten habe ich einen Menschen getroffen, der so viel Hoffnung ausstrahlt. Tagtäglich setzt sich dieser Mann mit den größten Schrecken und Gräueltaten der IS auseinander, sieht Bilder, die kein Mensch sehen sollte, muss selbst um sein Leben fürchten und sagt dennoch Dinge wie „Wir sind dankbar. Wir leben noch“ und „Das Leben geht weiter“. Es klingt nicht abgedroschen, nicht nach leeren Worthülsen, sondern in seinen Worten, in seinen Augen spiegelt sich eine unfassbare Hoffnung.

Fazit

Das Praktikum bei Radio Vatikan ist eine großartige Erfahrung. Man darf vieles machen, sich ausprobieren, kann eine faszinierende Stadt in sich aufsaugen und bekommt einen interessanten und durchaus seltenen Einblick hinter die Mauern des Vatikans – vor allem wenn gleichzeitig die außerordentliche Versammlung der Bischofssynode tagt und der Redaktionsleiter direkt in der Synodenaula sitzt.