Vom 05.10.2019 -- Sophia Junginger
Die „rasende Reporterin“ – Tag eins der Bischofskonferenz in Fulda

So sicher wie das Amen in der Kirche – ja, so sicher ist es, dass einmal im Jahr die
Herbstvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz in Fulda stattfindet. Für mich war es dieses
Jahr die allererste Bischofskonferenz, die ich hautnah miterleben durfte. Denn als Volontärin in der
Rundfunkredaktion des Bistums Fulda ist man natürlich ganz nah dran an all dem, was vor, während
und nach der „Biko“ passiert. Sprich: vorher haben wir in der Redaktion gebrainstormt: Wie bilden
wir die Bischofskonferenz auf Facebook, YouTube und natürlich auch im Radio ab? Wie stellen wir
sicher, dass unsere Hörerinnen und Hörer und unsere Community mit allen wichtigen Infos versorgt
werden? Also haben wir einen „Action Plan“ aufgestellt. Wer geht wann zu welcher Pressekonferenz,
wer holt welche Töne, wovon brauchen wir unbedingt Fotos?

Klar, spontane Pressekonferenzen oder auch Proteste können einem immer einen „Strich“ durch den super ausgearbeiteten Plan machen. Aber wenn das Gerüst erst mal steht, fühlt
man sich doch irgendwie abgesichert. Die Biko konnte kommen! Und Tag eins war dann auch direkt sehr actionreich. Großer Trubel am Mittag. Da trafen nämlich Protestierende der Katholischen
Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) am Fuldaer Dom auf Kardinal Reinhard Marx und den
Fuldaer Bischof Michael Gerber. Zuvor waren sie von der Innenstadt mit großen Plakaten, pinken
Kreuzen, Trommeln und Trillerpfeifen zum Dom gelaufen. Ihre Frage: „Frauen, worauf wartet ihr?“
Ihre Forderung: eine geschlechtergerechte Kirche. Auf die Demonstrierenden stürzten sich regelrecht
alle Journalisten: das ZDF, die Tagesschau, der BR und mittendrin – ich mit der Kamera. Fotos
einfangen für unsere Facebookseite. 

Der Kommentar des Kollegen vom Domradio: „Dafür wurde wohl der
Begriff „rasende Reporterin“ erfunden, oder?“ Ja, kann man wohl so sagen. Durchgeschwitzt stand
ich, nachdem die Demonstrierenden am Domplatz angekommen waren, also inmitten von Kameras
und Mikros, die alle nur eins wollten: die beste Aufnahme vom Kardinal und Bischof, wie sie mit den
Demonstrierenden reden. Ein Glück hatte ich ein Einbeinstativ dabei – ohne wäre ich niemals groß
genug gewesen, um auch nur irgendein brauchbares Foto zu schießen. Es wurde geredet, gepfiffen
und am Ende sogar gemeinsam gebetet. Meine Kollegin zog Töne fürs Radio, ich verarbeitete die
Fotos danach in einem Facebookpost. Viel Zeit blieb nicht, denn keine Stunde später stand der
nächste Programmpunkt auf dem Plan: Eröffnungspressekonferenz im Auditorium des
Priesterseminars. 

Eine alte Bibliothek mit Dielenfußboden und einem Kronleuchter an der Decke. Vorne in der Mitte: drei Mikrophone für die Sprecher vor einer Leinwand der Deutschen Bischofskonferenz. Vor ihnen zahlreiche Kameras, um sie herum die neugierigen Journalistinnen und Journalisten mit ihren gezückten Stiften, Blöcken und Aufnahmegeräten. Die Pressekonferenz brachte – wie erwartet – nichts komplett Überraschendes. Interessant war sie aber trotzdem! Denn allein beobachten zu können, wie andere Journalistinnen und Journalisten arbeiten, war super spannend. Nach der Pressekonferenz ging es erst mal wieder zurück in die Redaktion, um das Gehörte und Fotografierte in Posts und Nachrichtenbeiträge zu verarbeiten. Aber auch damit musste ich mich beeilen, denn nur kurze Zeit später hieß es: Fototermin mit allen Bischöfen im Sitzungssaal.

Also schnappte ich mir wieder meine Kamera und ging los. Die Herren ließen etwas auf sich warten.
Mit 30 Minuten Verspätung öffneten sich dann endlich die Türen zu dem Saal, in dem alles Wichtige
besprochen wird. Darin alle Bischöfe, die sich gegenseitig begrüßten, miteinander plauderten und
von allen Seiten fotografiert wurden. Die Aufregung und Energie aller Anwesenden war in diesem
Moment nahezu greifbar. Eine freudige Aufregung auf die kommenden Tage, aber auch die Ahnung,
dass die Gespräche nicht immer einfach werden würden. Nach ca. 20 Minuten läutete Kardinal
Reinhard Marx eine kleine goldene Glocke. Das Signal für alle: jetzt müssen die Journalistinnen und
Journalisten raus. Noch ein letztes Foto, dann wurden die Türen wieder geschlossen. Tür zu, Kamera
aus, zurück in die Redaktion. Fotos auf Facebook hochladen, PC runterfahren, ab nach Hause.

Ziemlich k.o. von so viel Trubel und gleichzeitig glücklich darüber, ein solches Ereignis hautnah miterleben zu dürfen, bin ich nach Feierabend müde in mein Bett gefallen. Ja, die Bischofskonferenz
in Fulda ist doch etwas Besonderes. Denn so viele Bischöfe, Kamerateams und Journalisten treffen im
beschaulichen Fulda eben nicht alle Tage aufeinander.