Vom 02.12.2014 -- Michael Merten
Bei "Muttis Mutti" in der Uckermark

Die promovierte Physikerin Merkel, geborene Kasner, zog im zarten Alter von drei Jahren mit ihrer Familie von Hamburg nach Templin. Ihr Vater Horst, ein evangelischer Pfarrer, sollte in der religionsfeindlichen DDR Missionsarbeit betreiben.
Am Abend des 31. Oktober tritt die Pfarrerstochter ebenfalls zu missionarischen Zwecken an den Ambo ihrer Heimatkirche. Auf Einladung der Pfarrgemeinde spricht sie über „Christsein und politisches Handeln.“

Die Kinder haben schon das Geisterkostüm im Kofferraum

Es ist Reformationstag – doch in der Uckermark feiern die Kinder, wie überall im Land, viel lieber Halloween. Geister und Ganoven durchziehen den Ort, und auch ein Junge, der auf die Ankunft der Kanzlerin wartet, ist vorbereitet: „Wir haben die Halloween-Sachen im Kofferraum. Wenn die Merkel zu lange redet, dann ziehen wir los“, verrät er mir. Schön für die Kinder, die so frei sind. Ich habe einen anderen Job: Für die KNA eine Meldung möglichst bald nach dem Auftritt abzuliefern.

Kasner? Den Namen kenne ich doch...

Also reihe ich mich in die lange Schlange der Wartenden ein. „Mutti“, wie die Kanzlerin gerne mal genannt wird, soll um 17.30 Uhr ankommen. Um 17.20 strömen die Besucher einer Andacht zum Reformationstag aus der Kirche, die Wartenden unterhalten sich mit denen, die herausströmen. Dann werde ich hellhörig – jemand ruft: „Ach hallo, Frau Kasner!“

Eine rüstige, sympathisch wirkende alte Frau kämpft sich durch die Menge, sie sagt: „Ich geh mal eben noch schnell Luft schnappen“. Es ist die Mutti der Mutti, und ich erhasche für kurze Zeit einen Einblick in eine Welt, die Journalisten sonst versperrt bleibt: das private Umfeld der Kanzlerin. Das übrigens, so erklären es viele Templiner, sehr unspektakulär sein soll. Starallüren sucht man in der Uckermark vergebens.