Vom 08.10.2014 -- Christoph Niekamp
Als Ostwestfale in Unterfranken
Main Volo-Zuhause

Giebelstadt. Herchsheim. Euerhausen. Ganz viel Landstraße. Riedenheim. Röttingen. Links abbiegen. Bieberehren. Außentermine bringen mich bis an die Ränder der Diözese Würzburg. Deshalb liebe ich meinen Job. Spannende Leute und Nachrichten verstecken sich nicht nur in Brüssel, Berlin oder New York. Sondern auch in Münsterschwarzach, Thüngersheim oder Bieberehren.

Das ifp-Volontariat hat mich in eine Region geführt, die ich vor zwei Jahren noch auf der Landkarte suchen musste. Heute finde ich sie auf Anhieb: Unterfranken. Und so langsam fühlt es sich schon wie ein zweites Zuhause an.
Was mich immer noch als Fremden im Frankenland entlarvt, ist der fehlende Dialekt. Wer das B vom P und das T vom D unterscheidet, fällt einfach auf. Am Telefon habe ich schon oft die Frage, fast als Aussage formuliert, gehört: „Sie sind nicht von hier?“. Nicht abwertend. Nicht misstrauisch. Einfach nur neugierig. Erkläre ich dann, wo meine Heimat liegt, bin ich beruhigt: Auch viele Franken wissen nicht so recht, wo sie Ostwestfalen verordnen sollen.

Intensiver als bei der Recherche am Hörer, habe ich Mainfranken und seine Bewohner natürlich auf den Außenterminen kennen gelernt. Ob mit Wallfahrern durch die Weinberge von Thüngersheim, bei Messdienern im Rhönörtchen Hohenroth oder beim Besuch in der Abtei Münsterschwarzach.

Dass die fränkische Provinz so manche Überraschungen bietet, merke ich hier mal wieder besonders deutlich. Benediktinerpater Gerhard - Theologe und Elektrotechniker - führt mich durch die Gärten, über den Friedhof bis fast an den Rand der Abtei. Vor eine unscheinbaren Gartenlaube bleibt er stehen. Der Pater holt eine Fernbedienung aus dem Schuppen, drückt auf ein Knopf und schon schiebt sich das Dach auf. Herausfährt ein glänzendes Teleskop und streckt sich in den Nachthimmel. Modernste Technik im historischen Kloster. So einen Kontrast habe ich nicht erwartet. Immer wieder aufs Neue überraschen mich die Franken mit ihrem unerschöpflichen Einfallsreichtum.

 

 

Meine persönliche Top 5 der originellste Ortsnamen in Unterfranken

1. Tückelhausen

2. Marktbreit

3. Tauberrettersheim

4. Salz (nicht zu verwechseln mit Sand)

4. Wasserlosen