Vom 20.06.2015 -- Felix Flaig
Der Interview-Marathon

Ich stoße die Kirchentür auf und renne los, während ich Kamera, Aufnahmegerät und Mikrofon in meinen Rucksack stopfe. Die Sonne scheint und es ist heiß in Mannheim Downtown. Zwei von drei Interviews in meinem Terminkalender sind im Kasten, zwei von drei innerhalb einer Stunde. Damit sich die weite Anreise aus Freiburg auch lohnt. Es ist 16.20 Uhr und mein letzter Interviewpartner, ein Jesuitenpater von der örtlichen City-Kirche, hat noch bis um 17.00 Uhr Zeit für mich.

 

Quadrate und Treppenstufen

In unserem Volo-Jahrgang weiß ich von mindestens zwei Leuten, die leidenschaftlich gerne joggen gehen, aber nun bin es ausgerechnet ich mit meiner Aldi-Lunge, der im Vertrauen auf Google-Maps durch Mannheim hetzt. Auf Wikipedia steht, dass es in der Stadt keine richtigen Straßennamen gibt, weil sie in Quadrate aufgeteilt ist. Damit hätte man rechnen können. Wollte ich aber nicht, Mathe war schon zu Schulzeiten nicht mein Lieblingsfach. Auch Google-Maps scheint verwirrt, denn als ich an mein auf der Karte angezeigtes Ziel komme, eine Straße mit Namen C8, ist dort keine City-Kirche. Nervös rufe ich den Pater an. „C8?“, kommt es verdutzt aus dem Hörer, „Wir sind in F2, das sind mehr als sechs Blocks!“ „Sechs Blocks. Gab es da nicht mal einen Film mit Bruce Willis?“, denke ich und renne los, blindlings Richtung Innenstadt. Wenn schon nicht auf Google-Maps, so kann ich mich doch zumindest auf mein Glück verlassen und jeder Fußgänger, den ich frage, kennt mein Ziel und schickt mich weiter. 16.55 Uhr. Schnaufend komme ich vor der City-Kirche an und frage den Mann am Eingang nach Pater Müller. „Der ist im vierten Stock, Tür rechts, dann die Treppe hoch.“ Na danke! Nach unzähligen Treppenstufen erwartet mich im vierten Stock ein zuvorkommender Mann, der mir lächelnd ein Glas Wasser anbietet und sich trotz seines engen Terminplans noch genug Zeit für meine Fragen nimmt.

 

Liebe?!

Schweißüberströmt verlasse ich kurz darauf sein Büro und stehe Glückseelig im Treppenhaus. Ich habe es geschafft! Alle Interviews sind auf Band und ich kann nach Hause gehen. In diesem Moment bekomme ich (es mag am Adrenalin liegen) eine kleine Ahnung davon, was Journalisten meinen, wenn sie sagen, dass sie ihren Job lieben.

 

"Sinatra-Style": Did it my way.

 

P.S.: Des Rätsels Lösung

In der Nachbetrachtung stellt sich heraus, dass Google Maps den Zielpunkt für die City-Kirche falsch plaziert hatte. Diese liegt nämlich nicht in C8, sondern in der Nähe des Marktplatzes. Dorthin wusste das Kartentool insgesamt drei Wege, die um einiges schneller gewesen wären als meine Route.