Vom 10.06.2015 -- Felix Flaig
Vom Dialekt zum Video

Multimediaredaktion des Evangelischen Kirchentages: vor einigen Wochen noch hätte ich damit gerechnet, hier theologisch tiefgründige Texte schreiben zu müssen – Schwein gehabt. Mein erster Arbeitstag im Ressort „Social Media“ beginnt mit der Produktion eines Videos für Facebook. Thema soll der Dialekt sein, der in Stuttgart, dem Veranstaltungsort des Kirchentages, gesprochen wird: Schwäbisch.

Als gebürtiger Württemberger scheine ich der einzige zu sein, der die nötigen Sprachkenntnisse dafür besitzt. Ich melde mich freiwillig.

 

Unterstützung aus Innsbruck

Gedreht habe ich schon einige Videos, meistens zum Spaß mit der heimischen Fotokamera. Schnell wird mir klar, dass diese Erfahrungen für die bevorstehende Aufgabe nicht ausreichen werden. Umso erleichterter bin ich da, dass ich mit einer fähigen Kamerafrau zusammenarbeiten darf. Klara kommt aus Innsbruck und besucht dort das Medienkolleg. Zusammen mit den Schülern des Kollegs und einem Jahrgang der evangelischen Journalistenschule aus Berlin betreuen wir ifp´ler den Kirchentag multimedial – per Website, Facebook, Twitter, Instagram und Youtube.

 

Kulinarische Hot-List

In einer Stunde Recherchearbeit vor dem Laptop suche ich mit Klara nun die skurrilsten Ausdrücke heraus, die das Schwäbische zu bieten hat. Vor allem Begriffe aus dem kulinarischen Bereich scheinen sich für das Video gut zu eignen. Oder wusstet ihr, dass man „Herrgottsbescheißerle“ essen kann? Mit den Top-Fünf Köstlichkeiten auf dem Notizblock, einer Kamera und einem Mikrofon im Gepäck geht es dann direkt in die Stuttgarter Innenstadt. Genauere Gedanken zur Umsetzung des Clips machen wir uns ganz pragmatisch in der S-Bahn, schließlich drängt die Zeit und wir wollen unser Ergebnis heute noch online stellen.

 

Sieben Stunden für zwei Minuten

In den folgenden drei Stunden Dreh versuchen wir, möglichst viele Einheimische vor die Kamera zu locken, um sie die Begriffe erklären zu lassen. Das ist zunächst gar nicht so einfach, doch nach einigen Absagen haben wir die ersten guten Takes im Kasten. Unsere Motivation steigt und wir bekommen langsam ein Gefühl dafür, welche Leute wir ansprechen müssen. Nachdem die letzte Klappe gefallen ist geht es zurück in die Redaktion, wo ich in weiteren drei Stunden lerne, was die Arbeit eines VJ´s (Videojournalist) eigentlich so anstrengend macht: der Schnitt. Ohne meine Mitstreiterin Klara wäre ich wohl restlos aufgeschmissen. Staunend sehe ich den restlichen Nachmittag zu, wie sie hochmotiviert die einzelnen Aufnahmen zu einem gelungenen Zweiminüter zusammenpuzzelt. Stolz präsentiere ich unser Video „Schwäbisch Kulinarisches“.