Vom 22.05.2015 -- Lisa Mathofer
Und täglich ruft der Muezzin

Für das erste meiner beiden ifp-Praktika habe ich die vergangenen sechs Wochen in meiner Heimat – dem Ruhrgebiet – verbracht. In Gelsenkirchen war ich für die Redaktion von Radio Emscher Lippe mit dem Mikrofon anstatt wie gewohnt mit Block, Stift und Kamera unterwegs.

Ein Pressetermin war besonders spannend. In Gladbeck steht nämlich seit 1998 eine Moschee mitten in einem Wohngebiet. Bisher war das auch für die Anwohner und möglichen Kritiker so in Ordnung. Doch jetzt will der Moscheeverein jeden Mittag über die Lautsprecher am Minarett zum Gebet rufen lassen. In den vergangenen Monaten sind über 200 rechtsradikale Hassmails, Briefe und Anrufe im Gladbecker Rathaus gelandet. Teilweise wurde den Stadtmitarbeitern und Lokalpolitikern sogar privat gedroht. Die Drohungen kamen meistens von Kritikern, die in Regionen weit außerhalb des Ruhrgebiets leben.

Aber wie laut ist denn so ein täglicher Muezzinruf überhaupt? Mit einer Kollegin bin ich zu der Moschee gefahren, um den allerersten Ruf mal live anzuhören. Bevor es losging, haben wir einige Anwohner befragt, die direkt gegenüber der Moschee wohnen. Was halten sie von dem neuen Gebetsruf, der bald jeden Mittag zu hören ist? Die meisten Leute hatten keine Bedenken, einige hätten sich nur gewünscht, von der Stadt früher informiert zu werden. Dann haben wir uns auf den Parkplatz gesetzt – und gewartet. Mit fast zwei Stunden Verspätung ging es um 14 Uhr endlich los. Ein kurzes Knacken und Knarzen aus den Lautsprechern, dann war der Muezzinruf rund zwei Minuten zu hören. 55 Dezibel. Das ist ungefähr so laut – oder leise – wie das Summen eines Kühlschranks. Oder ein kurzer Regenschauer, der ans Fenster prasselt. Und verärgert aus seinem Wohnhaus geguckt hat nach den zwei Minuten auch keiner.

 

Wer wissen will, wie der Muezzinruf live geklungen hat, kann ihn sich hier nochmal anhören:

https://soundcloud.com/user11968380/muezzinruf