Vom 27.03.2015 -- Julia Haase
Seitenwechsel

In der Hörfunkredaktion läuft für mich Print-Volo alles anders. Umgangssprache ist plötzlich erlaubt und sonst überlege ich mir schon auf dem Heimweg, wie mein Artikel aussehen könnte. Das funktioniert hier nicht. Denn meistens höre ich erst am PC, ob der O-Ton wirklich gute Inhalte und vor allem Qualität hat und wie viel ich davon verwenden kann.

Besonders zur Verzweiflung bringen mich „ähms“, die ich nicht ohne Qualitätsverlust rausschneiden kann. Oder Satzabschlüsse, die unfertig klingen. Die kommen meistens zustande, wenn jemand noch etwas sagen möchte, ihm nichts mehr einfällt und den Satz dann mit „ja genau“ beendet.

Noch einmal anders war es gestern, als unser Praktikant ein Interview mit mir geführt hat. Hinter dem Mikro strotze ich vor Selbstbewusstsein. Im ersten Grundkurs habe ich meinen Interviewpartner ganz schön hart rangenommen, so dass dieser unseren Referenten gefragt hat „ob die alle so drauf sind“. Aber wehe, wenn ich die Seite wechseln muss. Und dabei waren es nicht mal Fragen, bei denen ich lange hätte nachdenken müssen. Ich habe mich in mein Auswahlgespräch im ifp zurückversetzt gefühlt – nur dass jetzt ein Aufnahmegerät lief.

Besonders oft kamen die Worte „ähm“ oder „eigentlich“. Einen Satz habe ich auch mit „ja genau“ beendet. Peinlich. Für die Zukunft werde ich dann also nicht mehr leise vor mich hin fluchen, wenn ich wieder einen schwierigen O-Ton zu bearbeiten habe. Ich kann es nämlich auch nicht besser.