Vom 26.03.2015 -- Carolin Strohbehn
Ein trauriger Arbeitstag

Es fing wie ein ganz normaler Arbeitstag an. Jeder in der Onlineredaktion des Kölner Stadtanzeigers ging seinen Aufgaben nach und zwischendurch guckten wir aus dem Fenster, denn Sido fuhr in einem Doppeldecker vor, um seinen Film bei Köln.tv vorzustellen.

Dann kam ein Anruf, der unsere bisherige Planung völlig auf den Kopf stellte. Ein Flugzeug sei abgestürzt, wahrscheinlich von GermanWings. Agenturmeldungen gab es noch keine, die Seite der Fluggesellschaft ließ sich nicht mehr laden. Also riefen wir den Flughafen im benachbarten Düsseldorf an. Noch war unsicher, ob der Flieger in Düsseldorf gestartet war oder dort landen sollte.

Schnell, aber trotzdem richtig

Für mich eine erschreckende Nachricht, aber mit den neuen Informationen mussten Meldungen geschrieben werden. Es war keine Zeit sich groß Gedanken zu machen. Für mich als Berufseinsteigerin, die noch nicht viel Erfahrung mit aktueller Berichterstattung hat, eine ganz neue Situation. Die Aufgaben wurden verteilt und es war beeindruckend zu sehen, wie professionell alle ihren Job erledigten, obwohl wir alle geschockt waren. Die sonst so unbeschwerte Stimmung in der Redaktion, die mir von Anfang an sehr gut gefallen hat, war plötzlich verflogen. Im Wechsel gingen wir in die Mittagspause. Es fuhr jemand zum Flughafen, andere verfolgten die aktuelle Lage in den Agenturen und bei twitter und die Pressekonferenzen liefen auf dem Fernseher. Als bekannt wurde, dass eine Schülergruppe aus Nordrhein-Westfalen an Bord war, wurde es ganz ruhig im Raum. Trotzdem musste getickert werden. Eine Storify-Seite mit Reaktionen wurde erstellt. Die Telefone klingelten, alle tippten und klickten.

An diesem Tag konnte ich all das anwenden, was ich bisher im Journalismus gelernt hatte: Welche Bilder wir rein rechtlich auswählen sollten, und dass alles nochmal überprüft werden musste, bevor es für die Leser veröffentlicht wird. Und, dass wir schnell sein sollten, aber trotzdem alles seine Richtigkeit haben muss.

Reaktionen im Netz

Erst im Nachhinein, in der Bahn nach Feierabend, kam die Traurigkeit hoch, die hinter der Arbeit anstand. Und die Wut, wenn zwischen den Beileidsbekundungen in den sozialen Netzwerken Partyeinladungen und Witze auftauchten. Nach etwa sechs Stunden aktueller Berichterstattung machte es mich wütend zu lesen, wie diese Tragödie bei vielen Medienkonsumenten nur eine von vielen Meldungen war. Da reicht die Erfahrung wahrscheinlich noch nicht aus, über so etwas hinwegzusehen.

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