Vom 20.01.2015 -- Peter Bleyer
Autogramm nein, Foto ja!
Francis Rossi und Peter

Ich war skeptisch. Skeptischer als gewöhnlich, meine ich. Ein Praktikum beim Radio? Sprechen statt tippen? War das für mich als schreibenden Menschen tatsächlich das Richtige?  Letztlich muss ich sagen, ja, das war es. Besonders wegen dieses einen Moments.  

Ein besonderer Studiogast

Ich saß an meinem Rechner und recherchierte. Plötzlich sagte ein Kollege: „Heute kommt ja Francis Rossi.“ Dass ich nicht vom Stuhl gefallen bin, war alles. „Was? Das ist ja stark“, rief ich. Die beiden Praktikantinnen neben mir fragten nur völlig verdutzt: „Wer kommt?“ Verwundern konnte mich diese Reaktion nicht, ich traf nicht oft Leute, die meine Passion für Classic Rock teilten.
Zum Verständnis: Wir reden hier vom Frontmann der britischen Band Status Quo. Einer Rockgruppe, die sich bereits 1962 gründete und damit zu den langlebigsten der Geschichte zählt. „Rockin’ all over the world“, „In the army“ und „Whatever you want“ zählen zu ihren bekanntesten Hits und zu den bekanntesten Rock-Songs überhaupt.

Plötzlich war er da, ohne viel Tamtam

Aber ich schweife ab. Ich saß also an meinem Schreibtisch und wartete aufgeregt. Ich wartete und wartete und wartete. Um kurz nach 12 kam er dann. Tatsächlich war seine Ankunft nicht halb so spektakulär, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Keine Ahnung, was ich erwartete. Francis Rossi kam nicht mit Pauken und Trompeten und auch nicht auf einem roten Teppich. Nein, er öffnete einfach die Tür und trat ein. Ein lässiges „Hello everybody“ und das war’s.
Natürlich sah er nicht aus wie ein 65-jähriger Durchschnittsgroßvater. Vor allem die getönten Brillengläser und der Piratenohrring stachen heraus. Zudem hatte er eine Frau an seiner Seite, die ihm seinen Zeitplan diktierte. Und dann waren da noch die zwei obligatorischen Aufpasser, die mit bösen Blicken jeden im Raum zu töten versuchten. Aber ansonsten war die Situation völlig locker, völlig entspannt.

Die Frage nach dem Autogramm war überflüssig

Francis Rossi ging etwa einen halben Meter an mir vorbei und ich konzentrierte mich darauf, ihn nicht anzustarren. Dann verschwand er mit ein paar Moderatoren im Studio. Während die Interview-Aufzeichnung lief, überlegte ich, ob ich es wagen könnte, ihn auf dem Weg nach draußen um ein Autogramm zu bitten. Auf Englisch versteht sich. Nach einigem Hin und Her in meinen Gedanken, entschied ich mich dafür. Ich sagte mir meinen Satz immer wieder vor, damit ich mich im entscheidenden Augenblick nicht verspreche: „Sorry, would you please give me your autograph?“ Und noch mal und noch mal.

Irgendwann ging die Studiotür wieder auf, aber Francis Rossi kam nicht raus. Stattdessen sah ich, wie sich einige Mitarbeiter des Senders mit dem Status-Quo-Sänger zusammen fotografieren ließen. „Das ist ja noch besser als ein Autogramm“, dachte ich. Allerdings hatte ich doch jetzt meinen Satz so oft geübt. Auf die andere Frage war ich nicht vorbereitet. Ich musste mich schnell entscheiden, Francis Rossi hatte sich seine Jacke schon angezogen. Improvisieren hieß das Zauberwort. Ich stand auf, lief zum Studio und fragte: „Sorry, can I have a photo with you too“? Francis fragte nur: „Are you sure“? Ob ich sicher war? Na klar. Dann ging es ganz schnell. Wir stellten uns nebeneinander, jeder legte dem anderen einen Arm um die Schulter wie einem alten Kumpel und dann blitzte es ein paar Mal.
Francis Rossi verließ den Sender ohne Aufsehen. So, wie er gekommen war. Mir blieben ein paar schöne Fotos, die mich an diesen besonderen Moment erinnern werden. Daumen hoch für das Praktikum beim Radio.