Vom 23.11.2014 -- Elisabeth Rahe
Wangen wie ein Kugelfisch – Best of Sprechtraining

Sprechen für Medien ist gar nicht einfach. Zu dieser Erkenntnis kommt wohl jeder, wenn er zum ersten Mal einen selbst gesprochenen Text vom Band hört. Also spätestens beim Radio-Kurs am ifp. Denn der Teufel steckt im Detail: Wie klingt mein Text lebendig statt abgelesen? Wie vermeide ich es, Endsilben zu verschlucken? Und wie formt man ein lupenreines „r“? Auch wer keinen krassen Dialekt spricht oder ihn sich mühsam abgewöhnt hat: Wer regelmäßig Audios oder Videos vertont, sollte Sprechtraining nehmen.

Doch umsonst ist ja bekanntlich fast nichts im Leben. Zehn Stunden Sprechtraining bei einem guten professionellen Coach können locker 800 Euro und mehr kosten. Eindeutig zu viel fürs Volo-Portmonnaie. Gut, dass das ifp die Hälfte davon übernimmt. Viele Ausbildungsredaktionen spendieren den Rest - schließlich bieten immer mehr Zeitungen auf ihrer Homepage Audio-Slideshows oder kleine Videos an. 

 

Best of Sprechtraining

"Besonders tückisch für alle, die wie ich aus dem ostwestfälischen Sprachraum kommen, ist das Reibe-'r' nach Vokalen. In meiner Heimat sagt man halt eher 'Wuast' statt 'Wurst' und 'Kierche' statt 'Kirche'. Gar nicht so leicht, sich das abzugewöhnen – zumindest fürs Sprechen vor dem Mikrofon. Denn es gibt feine Unterschiede zwischen den verschiedenen 'r'-Lauten. Zwei Übungssätze, die ich nicht so schnell vergessen werde: 1.) 'Nach Viertel nach vier und nach dem vierten Bier kosteten vierzig Würstchen auf der Viersener Kirmes nur noch vierzehn Mark vierzig.' 2.) 'In der Sportmensa gibt es heute bürgerlichen Wirsing mit Wurst für vier Euro vierzig.'" - Elisabeth Rahe

 

"Beim Sprechtraining lernt man nicht nur angenehm zu sprechen, sondern vor allem viel über sich selbst. So ging es mir zumindest. Bei der ersten Stunde fand ich meine Stimme langweilig und monoton und hatte fast die Lust am Radiomachen verloren. Nach der letzten Stunde war ich ziemlich zufrieden und motiviert, die neuen Stimmlagen auszuprobieren. Was mir geholfen hat: Eigentlich nicht viel, einfach nur Unterstützung, Mutmachen und natürlich viele kleine Tipps - wie diese: 'Sei wer du bist. Verstehe, was du sagst. Erzähle es jemandem.'" - Christina Weise

 

"Die Wangen aufblasen wie ein Kugelfisch und die Zunge einrollen wie ein Chamäleon. Wer Sprechen lernen möchte, muss lernen, albern zu sein. Das musste ich schon nach den Aufwärmübungen einsehen. Damit die Gesichtsmuskeln locker werden, müssen sie in Bewegung kommen – egal wie das aussieht. Erste Übung: Prusten wie ein Pferd. Brrrrr....lauter! Sprechen ist nicht Flüstern. Und gelesen werden keine Buchstaben, sondern Laute. Ich habe geübt, mit einem Mikrofon zu reden und verstanden, wie entscheidend die Stimme für die eigene Präsentation ist." - Marie Eickhoff

 

"'Stellt euch mal vor!' Auf diese Einstellung kommt es an, beim Sprechen fürs Hören. Nochmal nachlesen, das ist für den Zuhörer eben nicht möglich. Er muss es beim ersten Mal verstehen. Deswegen muss mein Sprechen verständlich aber eben auch lebendig sein, so dass der Hörer gerne zuhört. Erzählen, nicht ablesen – das fällt mir leider nicht immer leicht. Wichtig für gutes Sprechen ist auch die richtige Atemtechnik, dafür trainiere ich mein Zwerchfell. Zum Beispiel mit der Maikäfer-Übung: Ich rüttle mein Zwerchfell und sage dabei 'Wwwwww'. Manchmal kommt man sich beim Sprechtraining eben auch ein wenig bescheuert vor." - Maresa Stölting