Vom 22.04.2020 -- Celine Kuklik
Goodbye sweet Praktikum

And I think of all the things, what you're doing. And in my head I paint a picture… Eigentlich wollte ich genau jetzt auf dem Camden Market stehen und mich durch die Street Food Läden futtern. Mich durch die Menschenmassen in diesem berühmten Viertel Londons, dem „birthplace of punk“, schieben. Verwirrt sein von der Mischung aus Gerüchen von frittiertem Fisch, gebratenen Yorkshire Burritos und Bubble Waffles mit geschmolzenen Marshmallows (wer behauptet, die grauenvolle englische Küche könne nichts bieten außer Hammel mit Minzsoße oder Pommes frites mit Essig, sollte hier mal einen Schritt aufs Kopfsteinpflaster wagen). Vorbei am wohl beliebtesten Touri-Magneten, der Amy-Winehouse-Statue aus Bronze, die in Gedenken an die hier 2011 in Camden Town verstorbene Soulsängerin aufgestellt wurde. Are you shopping anywhere? Changed the color of your hair, are you busy?

Das war mein Plan, den ich seit meiner Bewerbung im April 2019 im Kopf immer weitergesponnen habe. Ich liebe diese Stadt so sehr, dass ich einmal im Jahr für mindestens ein Wochenende herkomme. Ein Praktikum im ARD Studio London hätte meinem Volontariat die Krone aufgesetzt. Um das Bild von der Kirsche auf der Sahnehaube anzupassen: Es wären die Raspel aus weißer Schoki auf den geschmolzenen Marshmallows der Bubble Waffle gewesen. Das stand schon beim Volo-Kennenlern-Wochenende in Fulda vor anderthalb Jahren fest. Ziemlich jeder weiß wohl, was jetzt folgt: Richtig, Corona. „Alle Praktika des NDR werden ab sofort eingestellt“, hieß es in der Mail vom Freitag, 13. März. Zum Glück bin ich nicht abergläubisch.

Da stand ich also an diesem Freitag, den 13. nachmittags im großen Saal eines Restaurants bei Hannover – dem Anlass meines Kommens geschuldet schwarz gekleidet – und schaute etwas ungläubig auf das gesprungene Display meines Handys. Ein merkwürdiger Zufall, denn vor wenigen Monaten bekam ich vom NDR-Personalbüro hier in der Hauptstadt des Hochdeutschs noch die endgültige Zusage, dass nun auch endlich alles mit dem Online-Formular geklappt habe. Der ganze Bewerbungsprozess zog sich nämlich über mehr als acht Monate. Im Zuge der Brexit-Verhandlungen hatten die ARD-Kollegen auf der Insel verständlicherweise wichtigere Dinge zu tun – no offense indeed! Im Februar dann die nächste erlösende Nachricht: Ich hatte endlich ein Zimmer gefunden! Yay! Zwar ein völlig überteuertes, aber trotzdem: yay!

Tja, den Camden Market kann ich mir dieses Jahr wohl nur noch auf Handy-Fotos und -Videos von meinem London-Trip 2019 anschauen. Der ist wegen der Corona-Pandemie geschlossen und das Praktikum nachzuholen, wird schwierig bis unmöglich: Das Volo dauert noch etwa ein halbes Jahr, davon sind drei bis vier Wochen für Kurse am ifp reserviert; gegen Ende muss ich mich bei der Jobsuche vielleicht um den Umzug in eine andere Stadt kümmern. Wer weiß, was kommt? Vielleicht geschieht ein kleines Wunder und das Virus ist unter Kontrolle. Wahrscheinlich aber eher nicht und ich habe kein zweites Praktikum. And in your way, in this blue shade, my tears dry on their own… Okay, stopp Amy, dieses Songzitat ist too much. Meine Enttäuschung kann ich nicht leugnen, verzweifelt fühle ich mich aber nicht und es gibt auch keine zu trocknenden Tränen. So wie mir geht es noch vielen anderen, und wenn ein Vorhaben nicht klappt, ist es immer deprimierend, wegen Corona oder wegen was auch immer. Dann zitiere ich eben Jack Johnson. Der ist zwar gebürtiger Hawaiianer, aber nun gut, die Textzeile passt wirklich: Well, I was sitting, waiting, wishing…