Vom 18.04.2020 -- Giordana Marsilio
¡Colombia ya voy¡

27 August 2019 in Pescara, Italien. Es ist heiß draußen und ich beschließe, zum Strand zu fahren. Ich versuche jeden Meerestropfen, jedes Sandkorn und jeden Sonnenstrahl meines Urlaubs zu genießen, bevor das nächste Abenteuer losgeht: Im Oktober beginne ich mein Volontariat in Karlsruhe. Neue Stadt, neue Arbeit, neues Leben. Ich packe mein Handy in die Tasche und schaue Stundenlang nicht mehr drauf. Es muss zwei Uhr sein, als ich doch wieder einen kurzen Blick darauf werfe. Zwei verpasste Anrufe von meiner zukünftigen Redaktion in Karlsruhe und eine E-Mail meines Ausbildungsredakteurs: Ich solle ihn bitte zurückrufen.

In den wenigen Sekunden male ich mir tausende mögliche Szenarien aus, was er jetzt von mir möchte. Vielleicht haben sie es sich doch anders überlegt? Daher die Dringlichkeit? Nein, das kann doch nicht sein. Am plausibelsten scheint mir, dass er etwas Bürokratisches braucht, vielleicht nochmal meine Sozialversicherungsnummer.

Ich rufe zurück, während ich den Strand entlanglaufe. Mein Ausbildungsredakteur ist freundlich und beginnt mit ein wenig Small Talk. „Wie geht’s Ihnen?” Halb lachend, halb ernst sagt er: “Genießen Sie jetzt die Ruhe, solange sie noch können!“ Dann kommt eine komische Frage: „Sie haben gesagt, Sie reisen gerne, oder?“ – Ich werde immer neugieriger und verstehe nicht, worauf er hinaus will.

„Ja, klar“, antworte ich etwas verwirrt. „Ich wollte Sie fragen, ob Sie Zeit und Lust hätten im Oktober für eine Journalistenreise für uns nach Kolumbien zu fliegen.“
Ich weiß heute noch genau, was ich geantwortet – beziehungsweise geschrien habe: „Jaaaaaa! Ich sitze schon im Flugzeug!!!" Er lachte. Als ich auflegte, begann ich vor Freude zu schreien. Ein Paar Leute schauten mich verwirrt an.

Dieser 27 August 2019 war einer dieser Tage, den ich nicht vergessen werde. Natürlich hat die Reise an sich nicht mein Leben auf den Kopf gestellt, aber diese Reise hat in mir doch etwas verändert.

Zwei Wochen nach dem Beginn meines Volontariats durfte ich bereits, eine außerordentliche Erfahrung machen, die mich menschlich und beruflich sehr geprägt hat.

Ich habe viele Journalisten, Menschen, Schicksale kennengelernt und Geschichten gehört. In dieser intensiven Woche in Kolumbien schien mir ein Monat vergangen zu sein, so viel habe ich dort erlebt und gelernt.

Aber wieso dieser Tag so wichtig für mich ist: Er zeigte mir, dass sich all die Mühen, all die Energie, die ich in meinen Wunsch investiert hatte, um Journalistin zu werden – und zwar in Deutschland, ohne mich entmutigen zu lassen von denjenigen, die mich davon abhalten wollten -, ausgezahlt haben.

Dieser Anruf zeigte mir, ich bin endlich am richtigen Ort, im richtigen Moment.
Aus diesem Grund möchte ich meinem Ausbildungsredakteur und meiner Redaktion ausdrücklich Danke sagen, für die Aufgabe, die sie mir anvertraut haben - und vor allem, dass sie von Anfang an an mich geglaubt haben.