Vom 26.03.2020 -- Julian Limmer
Über Schwäne und Machos

Seine Grazie hat Dichter und Denker seit jeher beeindruckt. Der Schwan. Sein Weiß steht in der Hochkultur für Anmut und Vollkommenheit. Ganz anders verhält es sich mit dem schwarzen Schwan. Seine Farbe steht für das Böse. Zu Zeiten des alten Roms kam er in unseren Breitengraden kaum vor. Das veranlasste den Römischen Satiriker Juvenal in Hinblick auf treue Ehefrauen zu schreiben: „Ein seltener Vogel in allen Ländern, am ähnlichsten einem schwarzen Schwan.“ Damit wollte er wohl ausdrücken, dass fast alle Frauen sexuelle Biester seien. War Juvenal ein Macho und Frauenhasser? Er schrieb immerhin eine „Kritik an der Ehe und den Frauen.“

Einer der Frauen gewiss nicht sehr mochte, ist Richard Wagner. Er forderte von seinen Liebhaberinnen stets vollste Unterwerfung, damit er, das Genie, sich vollends auf seine Genialität konzentrieren konnte. Richard Wagner fiel auch sonst nicht sehr durch seinen gelebten Humanismus auf. Neben Frauen mochte Wagner angeblich auch keine Juden. Das brachte ihm auch den Ruf ein, ein echter Bad-Boy der Opernbühnen zu sein. Immerhin in seiner Kunst war der Macho Wagner einmal nett zu einer Frau. In der wohl romantischsten aller Wagner Opern, die bekanntlich auch Adolf Hitler ganz klasse fand, schickt der Komponist und Dramatiker der Herzogin Brabant als treuen Helfer und Beschützer den Gralsritter Lohengrin. Natürlich. Auf einem Schwan!

Seine Vorliebe für Schwäne teilte sich Wagner mit einem weiteren Bayern, seinem Gönner und Förderer, dem Sonnenkönig von Neuschwanstein, Ludwig II. Im Gegensatz zu Wagner war Ludwig als junger Prinz immer ein wahrer Gentleman zu seiner Sissi von Österreich, als sich die beiden zur Sommerfrische am Schloss Possenhofen am Starnberger See trafen. Das änderte sich jedoch bald. Frauen interessierten Ludwig immer weniger, am Ende soll er sogar schwul geworden sein. Als royaler Sugar-Daddy lud er sich angeblich sogar Lustknaben in sein Prunkschloss Neuschwanstein ein, mit denen er wer weiß was machte. Zum Bau von Neuschwanstein soll ihn übrigens der Macho Wagner inspiriert haben. Nun ja, auch wenn König Ludwig kein Macho oder Bad-Boy war, am Ende seiner Regentschaft unterstellten ihm viele, zumindest ein Mad-King zu sein. Irgendwann war er so verrückt, dass er sich komplett in Neuschwanstein verschanzte. Ludwig der große Sonderling und Außenseiter unter den europäischen Monarchen.

Ein weiter Außenseiter aus Bayern ist Sebastin Peuss. Er wuchs zwar nicht wie Ludwig in Schlössern auf, sondern in einem sozialen Brennpunkt in der Münchner Peripherie. Auch sonst unterscheidet ihn viel von König Ludwig: In seiner Jugend soll Preuss öfter mal Leute vermöbelt und allgemein viel Unsinn getrieben haben. Ein echter Bad-Boy eben. Er hat es trotzdem zu was gebracht. Er wurde zwar kein König, aber immerhin der neue Bachelor von RTL. Als Bachelor gibt er Frauen jede Woche eine rote Rose. Ob er Frauen wirklich mag, ist allerdings nicht überliefert. Schwäne mag er jedoch gewiss nicht. Vor Kurzem wurde er beschuldigt, einen Ostdeutschen an der Münchner Isar mit einem Schwan krankenhausreif geschlagen zu haben. Er dementierte. Zumindest das mit dem Schwan soll so nicht stattgefunden haben. Er mag Schwäne also doch! 

Woher die Vorliebe seltsamer Männer und Machos für Schwäne stammt, darauf gibt leider auch die Lektüre von Juvenal keine Antwort.

Die Glosse entstand im Rahmen eines ifp Grundkurses.