Vom 18.03.2020 -- Thomas Stoeppler
Quarantäne ganz ohne Corona

Hand-Mund-Fuß, grippaler Infekt, Bindehautentzündung, Bronchitis, grippaler Infekt und dann Drei-Tages-Fieber. Das ist die Bilanz meiner Tochter von einem Monat Krippe. Und das alles ohne Corona. In meinem Monat Elternzeit sollte ich Clara in die Krippe eingewöhnen. Das hatte ich mir in etwa so vorgestellt, dass ich sie hinbringe und gemütlich im Elternzimmer Zeitung lese und nach zwei Wochen lese ich dann Zeitung im Café.

Clara hatte sich das, glaube ich, ganz ähnlich vorgestellt. Die Kita fand sie super. Besonders den Morgenkreis. Singen, klatschen und überraschend komplexe Choreographien. Clara war begeistert. Gut, nach ein paar Stunden wollte sie dann auch, dass ich wiederkomme. Das fand ich ja eigentlich nur gut. Man fühlt sich ja auch gleich viel geliebter.

Das war so nicht abgemacht!

Nur sind Kitas aller Art eben schlimme Virenschleudern und dank dieser lustigen Auflistung an Krankheiten waren wir dann nie mehr als zwei Tage am Stück da. Clara und ich machten den Morgenkreis alleine zu Hause. Sie wollte das so. Das war besser als kein Morgenkreis, aber dennoch enttäuschend. Zum einen kann ich nicht singen und kenne auch nicht all die schönen Lieder, und zum anderen konnte ich mir die Choreographien nicht merken. Wie gesagt, die waren überraschend komplex.

Meistens hatte Clara morgens kein Fieber, aber es stieg im Verlaufe des Nachmittags. Also hatte ich pünktlich nach dem Mittagsschlaf ein sehr quengliges, weil leidendes Kind, das mit fast nichts zufrieden war. So hatte ich mir das mit der Elternzeit nicht vorgestellt. Ich dachte wir gehen in den Zoo und ins Museum, ich mache Smalltalk mit anderen Eltern auf dem Spielplatz, Clara und ich halten zusammen Mittagsschlaf und ich kann mich dabei auch noch erholen.

Zwerge unter Bettdecken

Als junge Eltern besitzt man eine Unmenge an Ratgebern zu jedem Thema und natürlich auch zu Kinderkrankheiten. Und da heißt es, ein Kind mit Fieber gehört ins Bett. Das ist irgendwie selbstverständlich, dabei aber kaum umzusetzen. Clara war nämlich auch mit 39,5 Grad Fieber überraschend fit – zumindest phasenweise – und dachte gar nicht daran, im Bett zu bleiben. Also auf dem Bett rumhüpfen ging schon, aber liegen auf keinen Fall.

Aber auch da gibt es gute Tipps: „Ein kleiner Zwerg, der aus der Bettdecke hervor guckt, reicht als Spiel für Stunden aus“, heißt es da. Bitte was? Hat irgendeiner der Autoren schon mal zehn Minuten Zeit mit einem Kind verbracht? Clara fand Zwerge, Hasen, Bären und sonstige Figuren, die aus der Bettdecke schauten überhaupt nicht interessant. Lieber nahm sie die Puppen und Stofftiere und fuhr sie in ihrem kleinen Wagen durch die Wohnung, deutete dann auf die Wohnungstür und versuchte sich die Schuhe anzuziehen. Danke Ratgeber Literatur! Wie immer eine große Hilfe!

Oh, wie schön ist Panama

Fies an der ganzen Sache ist natürlich auch, dass man selber irgendwann krank wird. Ein Kleinkind nießt nicht in die Ellenbeuge, schmiert die laufende Rotze überall hin und fasst einem auch gerne in Mund oder Auge. Also schleppten meine Frau und ich uns die ganze Zeit ebenfalls mit diversen Infekten durch die Gegend. So schön, wenn das Kind in die Krippe geht…

Das Thema Krippe hat sich jetzt aber eh erstmal erledigt. Seit heute Morgen sind alle Kitas und Schulen dicht. Claras Eingewöhnung bekommt jetzt einen Touch von „Oh, wie schön ist Panama“: Bär und Tiger (mit Tigerente) suchen nach ihrem Traumland Panama, landen am Ende aber wieder zu Hause. Nur haben sie unterwegs erfahren wie gemütlich so ein weiches Sofa aus Plüsch ist. Wir sind jetzt auch wieder da, wo wir vorher waren, wissen aber nun, wie schön so ein Morgenkreis sein kann.