Vom 19.01.2020 -- Thomas Stoeppler
Wir trauern um unsere Kollegin Sophie Kratzer
Sophie Kratzer

Liebe Sophie,

"Dolce Vita", haben wir uns gesagt, beim Jahrestreffen in Rom. Schwupps war der Espresso getrunken. So machen das die Italiener. Wir haben geredet, du hast erzählt. Von dir, ganz offen, ganz vertraut. Als würden wir uns schon ewig kennen. Vier Wochen nachdem wir uns das erste Mal getroffen hatten.

In einem bunten Haufen junger Menschen, zusammengewürfelt aus ganz Deutschland. Die Volos 18 vom Ifp. Schnell wurde aus dem bunten Haufen ein eingeschworenes Team. 21 Menschen, die komplett unterschiedlich sind. 21 Menschen mit dem gleichen Ziel vor Augen.

Aus diesen 21 Menschen bist Du schnell herausgestochen, aber nicht weil Du Dich ins Rampenlicht gedrängt hättest. Sondern weil Du uns alle und unsere Dozenten mit Deinem Schreibtalent, mit Deiner Beobachtungsgabe und Deiner Hingabe beeindruckt hast. Weißt Du noch wie viele Stunden Du an der Wittelsbacher Brücke standest und einen Obsthändler beobachtet hast für eine Probereportage? Wir wissen es nicht genau, aber so wie du geschrieben hast, haben wir uns gefühlt, als wären wir dabei gewesen.

Die Neugierde, die Dich als Journalistin ausgezeichnet hat, hat Dich auch als Mensch ausgezeichnet. Du hast die Welt um Dich herum nie einfach konsumiert, Du hast sie wirklich aufgenommen, nie bist Du im Gespräch abgedriftet oder wirktest desinteressiert. Keine Frage von Dir war nur dazu da, um selbst etwas zu erzählen.

Du warst eine einfühlsame Zuhörerin. Und im richtigen Moment kam von dir auch mal ein Spruch. Trocken, humorvoll und auf den Punkt getroffen. Dann hast Du das Kinn gereckt, den Kopf ein wenig in den Nacken gelegt und unsere Reaktionen abgewartet, ob wir das auch richtig verstanden haben. Und dann hast Du gelacht.

Du warst zäh und hart und tough. Eishockey war eine deiner Leidenschaften, wie Sport generell und den hast Du auch zu uns ins ifp gebracht: Joggen am Morgen, Dehnübungen am Nachmittag und am Abend ein Spaziergang an der Isar.

"Ich bin in Behandlung, die Ärzte nennen das lebensverlängernde Maßnahmen. Aber das sehe ich ein bisschen anders. Ich nehme das sportlich", hast Du in Rom gesagt und für diese Haltung haben wir Dich bewundert.

Nun bist du weg. Weit weg.

Amara Vita – das bittere Leben. Genauso fühlt es sich heute an. Auch der Kaffee schmeckt heute so, bitter.

Sophie, bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.