Vom 09.10.2014 -- Michael Richmann
Im Auftrag ihrer Majestät
Königin Magarethe II. von Dänemark und Bundespräsident Joachim Gauck.

Sie kommt. Der kurze Blick zum Kameramann: Daumen hoch. Hat der Assistent den Ton? Er hat ihn. Ich blicke auf das orange-schwarze ZDF-Mikrofon und lasse mir die Fragen nochmal durch den Kopf gehen – alles da. Doch plötzlich bekomme ich schwitzige Hände: Wie spricht man die Königin eigentlich an?

Der Termin mit Magarethe II. von Dänemark und Bundespräsident Joachim Gauck war für 16 Uhr angesetzt. Sie wollte die Wikinger-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau gerne persönlich eröffnen. Seit vier Tagen ist das Team akkreditiert – weil der Beitrag schon für die 17-Uhr-Nachrichten fertig sein muss, arbeiten zur gleichen Zeit zwei Redakteure mit dem Material vom Vormittag.

Livebilder über das Handynetz

Doch für das Team vor Ort hieß es in erster Linie: warten. Erst nachdem die Beamten jeden Journalisten, jede Kamera, jedes Mikrofon und jedes Stativ kontrolliert hatten, durfte der Tross zur Spree – begleitet vom Sicherheitsdienst, versteht sich. Dort ankerte das Wikingerschiff an der Spree, ein Nachbau des berühmten Roskilde-Schiffs – extra für die Ausstellung nach Berlin gesegelt. Am Kai galt es dann wieder zu warten. Zeit genug, die „Live-U“ zu testen, jenen Rucksack, der sich ins Handynetz einwählt, auf Knopfdruck gleich mehrere Verbindungen aufbaut und die Bilder vom Ort des Geschehens direkt an die Server im Studio sendet. Die Verbindung steht. Trotzdem sind zwei Fahrradkuriere bestellt – sicher ist sicher.

Das erste Auto fährt vor: Bundespräsident Joachim Gauck. Kameramänner und Fotografen brauchen jetzt geschulte Ellenbogen. Jeder kämpft um sein Bild. Bald darauf kommt die Königin; der Kampf entbrennt erneut. Gemeinsam besteigen die beiden das Schiff. Inzwischen ist der erste Kurier da, er sammelt das Material von der Ankunft der beiden Staatsoberhäupter ein; die Live-U ist nur für das Interview vorgesehen – länger reicht der Akku nicht.

Fragen an eine Archäologin

Joachim Gauck war schon weg, als sich auch Magarethe anschickte, das Boot zu verlassen. Der Zeremonienmeister gab das Signal: Vier Medien, das war vorher vereinbart worden, durften die Königin zum Abschluss interviewen – die dpa, der Bayerische Rundfunk, RTL und ich. Jeder durfte genau eine Frage stellen. Magarethe II. ist von Hause aus Archäologin, sie eröffnet so ziemlich jede Wikinger-Ausstellung in der westlichen Hemisphäre. Die Frage musste so gestellt sein, dass sie für das People-Magazin „Leute heute“ und die heute-Nachrichten interessant war. Dies ließ nur einen Schluss zu.

Wie spricht man eine Königin eigentlich an? Eure Hoheit? Eure Majestät? Werte Königin?

Die Live-U auf dem Rücken, stand ich hinter der dpa, eingequetscht von RTL und dem eigenen Kameramann, und harrte auf meine Gelegenheit. Nur: Wie spricht man eine Königin eigentlich an? Eure Hoheit? Eure Majestät? Werte Königin? Hätte ich beim Friseur bloß mal in die einschlägigen Klatschblätter geschaut, statt mein eigenes Buch mitzubringen. Das hat man nun von seiner Borniertheit.

Doch die Königin lächelte und grüßte: „Tag allerseits. Danke, dass Sie so lange auf mich gewartet haben“. Das Eis war gebrochen; dann mal los!

Zum Beitrag in der ZDF-Mediathek

 

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