Vom 06.03.2015 -- Wiebke Brüggemann
Wissen macht Au!
Waschanlage

Gesunde Neugier sollte für einen Journalisten zur Grundausstattung gehören. Nur weiß ich nicht, ob ich bei mir noch von gesunder Neugier sprechen kann. Bedienknöpfe haben auf mich schon immer eine magische Anziehungskraft ausgeübt. Was passiert, wenn ich da drauf drücke? Und da drauf? Und hier drauf? Das Verlangen, Knöpfe jeglicher Art zu drücken, kann nur gesteigert werden, indem man mir verbietet, genau das zu tun.

Wunderwerk Waschanlage

Viele Knöpfe gibt es bekanntlich auch in Autowaschanlagen. Knöpfe für die Standardwäsche, Knöpfe für die Unterbodenwäsche und Knöpfe für die Heiß-Wachs-Wäsche. Waschanlagen an sich sind ja schon spannend genug: Das Auto, das sich von alleine bewegt, riesige Rollen, die ein schaumiges Ballett vorführen und Wasser, das aus allen Richtungen kommt. Ja, das alles ist so faszinierend, dass ich mir das als Kind einmal genauer anschauen wollte. Als ich das Schiebedach mitten in der Waschanlage geöffnet habe, fand ich das zwar wahnsinnig interessant, mein Vater umso weniger.

Eine Frage hat mich bis vor kurzem immer wieder beschäftigt: Woher weiß die Waschanlage, wie groß mein Auto ist? Wie können die großen blauen Waschrollen so elegant um mein Auto herum tänzeln? Am wichtigsten erscheint mir diese Frage aber, wenn man langsam mit gefühlten hundert Stundenkilometern auf den überdimensional großen Föhn zurast. Gerade wenn man das Gefühl hat, das letzte Stündlein habe geschlagen, hebt sich die pustende Schranke. Wo ich gerade noch panisch flüchten wollte, suchen nur noch kleine Wassertropfen über die Windschutzscheibe das Weite.

Des Rätsels Lösung

Aber dieses Mysterium ist nun endlich gelöst – wofür Praktika doch alles gut sind. Bei meinem Praktikum bei der tvision GmbH durfte ich bei einem Dreh für die Sendung „Wissen macht Ah“ dabei sein. Denn mindestens genauso neugierig wie ich sind auch die Moderatoren Shary und Ralph.

In einer für den Dreh stillgelegten Waschanlage durften wir testen, wo wann welche Lichtschranke ausgelöst wird. Auf dem Rollband, das die Autos durch die Waschanlage befördert, durfte ich einmal bis zum großen Föhn fahren. Aber nicht mit dem Auto, sondern „zu Fuß“. Also stillgestanden. Augen auf und durch. Ohne Knautschzone kam mir die Schranke mit dem unangebrachten „Nicht bremsen“-Schild noch bedrohlicher vor. Womit denn auch?

Ich wartete schon darauf, dass mein Leben vor meinem geistigen Auge vorbeizieht. Zumindest die riesige Beule durch den Frontalzusammenstoß konnte ich in Gedanken ganz klar visualisieren. Doch im letzten Moment passierte ich die Lichtschranke. Der blecherne Vorhang hob sich. Puh. Glück gehabt. Was bleibt, sind eine Stunde und vier Minuten Drehmaterial und eine neue, modische Föhnfrisur.