Vom 24.04.2015 -- Pia Dyckmans
Vor dem Papst sind wir alle gleich
Papst Franziskus wünscht Pia Dyckmans von Radio Vatikan "Frohe Ostern"

Neu zu sein, ist spannend – vor allem in Rom und bei Radio Vatikan. Selbst nach drei Monaten ist noch vieles neu – und an Alltag ist da für mich noch nicht zu denken. Bei Radio Vatikan bleibt aber Eines für alle besonders. Der Gang zu den Live-Übertragungen in den Petersdom. Gerade die Übertragung am Ostersonntag ist für alle ein Highlight.

Hinter verschlossene Mauern

Mit der Zugangsberechtigung bewaffnet geht’s Ostersonntag an der Porta Santa Anna vorbei an den Schweizer Gardisten und der Gendarmerie. Ich passiere die Vatikanbank, biege zwei Mal nach links ab, betrete den Apostolischen Palast und werde von einem salutierenden Gardisten begrüßt. Ein Aufzug fährt meinen Radio-Kollegen und mich in den zweiten Stock, noch ist alles relativ unspektakulär. Doch sobald sich die Türen des Aufzuges öffnen, offenbart sich uns Kirchen- und Kunstgeschichte. „Das wird nie alltäglich,“ sagt mir mein Kollege. Wir laufen weiter zur Sala Regia, die Augen komme nicht hinterher. Vorbei an der Sixtinischen Kapelle, wo Michelangelo mit dem Jüngsten Gericht zahlreiche Touristen anzieht, und der Kapelle Paolina, wo Michelangelo sich mit der Kreuzigung Petri und der Bekehrung des Paulus ebenfalls verewigen durfte. Und ehe man sich versieht, steht man in einer ehemaligen Audienzhalle.

In der Mitte des Raumes schau ich nach rechts aus den Fenstern, es offenbart sich der Blick in den Petersdom. Ich drehe mich nach links und stehe direkt vor der Papstloggia, wo der Papst in wenigen Stunden den Urbi et Orbi Segen spenden wird. Wo eigentlich Tausende Köpfe von Pilgern zu sehen sein müssten, liegt ein buntes Meer aus Regenschirmen vor mir. Während wir von Radio Vatikan in unmittelbarer Nachbarschaft zur Benediktionsloggia trocken in unseren Übertragungsboxen sitzen, müssen der Papst und die Gläubigen dem Regen auf dem Petersplatz trotzen.

On Air im Petersdom

Der Papst beginnt mit der Messe, für uns beginnt die Arbeit, für meinen Kollegen die Routine. Es ist zwar nicht meine die erste Live-Übertragung, aber dennoch ist es aufregend. Während dem Urbi et Orbi Segen hört dann auch für meinen Kollegen die Routine auf – der Papst steht nur wenige Meter neben uns im Nachbarraum auf dem Balkon. Wir warten auf das Zeichen, dass wir fertig werden sollen. Wir dürfen Papst Franziskus treffen und den lässt man nicht warten. Auch wir wollen den Moment nicht länger hinauszögern, dass der Papst jeden Einzelnen von uns ganz persönlich Frohe Ostern wünscht.

Da kommt auch schon das langersehnte Handzeichen, dass wir kommen müssen. Mein Kollege verabschiedet unsere Zuhörer und vergisst sogar in der Eile allen Frohe Ostern zu wünschen. „Egal, der Papst hat es ja gerade schon gesagt“, sagt er. Und auf einmal stehen wir wieder in der ehemaligen Audienzhalle, die nun voller aufgeregter Vatikan-Mitarbeiter ist. Ich steh mitten in einer Traube von Radio Vatikan Redakteuren. Man zupft nervös an den Klamotten und man fragt sich gegenseitig, ob die Frisur sitzt und man nichts zwischen den Zähnen hat. Währenddessen wird die Schlange vor einem immer kürzer und auf einmal sind wir alle gleich, die Neue und die alten Hasen. Denn selbst für Vatikan-Mitarbeiter ist ein Handshake mit dem Papst wahrlich nicht alltäglich.

Buona Pasqua Santo Padre

Mein Kollege vor mir ist dran, meine Handflächen werden feucht und ich frage mich noch, mach ich nun einen Knicks? Oder doch nur eine Verbeugung? Und dann habe ich die warme, weiche Hand des Papstes in meiner und wir strahlen uns gegenseitig an: „Buona Pasqua Santo Padre“ (dt. „Frohe Ostern Heiliger Vater). Dann ist der Moment auch schon vorbei, wir bekommen einen päpstlichen Rosenkranz und werden wieder in Richtung Übertragungsboxen in den Nachbarraum geschoben. Franziskus strahlt schon seine nächsten Mitarbeiter an, und wir strahlen uns gegenseitig an. Selbst nach zwei Wochen huscht immer mal wieder ein Grinsen über das Gesicht von meinem Kollegen und mir, wenn wir uns anschauen: „Na, weißt du noch?“