Vom 22.05.2019 -- Barbara Zeidler
Europawahl – ein kinderleichtes Thema?
Europawahl 2019 / Foto: Barbara Zeidler, Jacqueline Laci

Die EU ist wichtig, deshalb sollten wir alle bei der Europawahl wählen – keine Frage! Aber was ist die EU eigentlich genau? Welche EU-Institutionen gibt es? Wofür sind sie gut? Und was macht unser Europäisches Parlament? Diesen Fragen wollte ich nachgehen und sie im Kindermagazin Stafette Grundschulkindern erklären.

Leichter gesagt, als getan. Blicken Erwachsene doch selbst kaum durch. Parlament, Kommission, Europäischer Rat, nicht zu verwechseln mit dem Rat der Europäischen Union, Europäischer Gerichtshof, Straßburg, Brüssel, Luxemburg – ich musste mich auf einen Aspekt konzentrieren. Das stand fest. Meine Entscheidung fiel auf die Europawahl, also die Wahl des Europäischen Parlaments.

Ich packte meinen Koffer und fuhr nach Brüssel. Der Besuch des Parlaments war beeindruckend. Was für ein riesiger Plenarsaal. Und diese ganzen Sprecherkabinen… Wie bei dem Spiel Flüsterpost werden hier hinter Glasscheiben Texte von einer Sprache in die andere übersetzt: Vorne spricht ein Abgeordneter auf Polnisch, das wird dann ins Englische übersetzt und vom Englischen ins Deutsche. Schließlich können die deutschen Dolmetscher nicht alle Sprachen der 28 EU-Mitgliedsstaaten.

Und ich habe noch mehr ungewöhnliche Dinge erfahren: Der Hauptsitz des Parlaments ist in Straßburg. Trotzdem gibt es dieses riesige Gebäude in Brüssel, das ich gerade besuchte, und in dem das Parlament mit all seinen Abgeordneten regelmäßig tagt. Warum? Als die EU gegründet wurde, sollte nicht ein Land die Hauptmacht bekommen, indem dort alle Institutionen errichtet werden. Super Idee. Nur in der Praxis stellten die Abgeordneten fest, dass es viel praktischer ist, wenn sie in der Nähe ihrer Kollegen der anderen Institutionen sind. Schließlich müssen sie oft eng zusammenarbeiten. So gibt es eben ein zweites Parlament in Brüssel. Bis nicht alle Mitgliedsstaaten dafür sind, dass Straßburg dichtgemacht wird, pendeln die Abgeordneten jeden Monat für eine Woche zum Hauptsitz. LKW transportieren die Unterlagen und die Abgeordneten reisen nach.

Mit jeder Menge solcher Fun-Facts kam ich zurück. Die finden Kinder bestimmt spannend, die musste ich irgendwie unterbekommen. Bekam ich nicht. Beim Schreiben fiel mir auf, dass ich erstmal Begriffe wie Demokratie und Abgeordnete erklären musste und damit war der Text schon mehr als gefüllt. Irgendwie brauchte ich für einen Begriff wieder die anderen. Einen Begriff nach dem anderen schob ich immer weiter nach hinten. So kam ich nicht weiter. Damit das Erklären leichter wurde, verglich ich die Europawahl mit der Wahl von Klassensprechern. Die kennen Grundschulkinder. Klassensprecher vertreten wie Abgeordnete Interessen und werden von der Gruppe Menschen, die sie vertreten, gewählt. Der Vergleich funktionierte und es entstand ein Artikel, den ich ruhigen Gewissens in den Druck geben konnte.

Als das Heft in den Umlauf kam, sprachen mich Erwachsene auf den Artikel an, die nun endlich die Wahl verstanden hatten. Kurzerhand wurde ich zur „Europaexpertin“ und durfte weitere Artikel zu dem Thema schreiben. Diesmal für Erwachsene.