Vom 05.06.2015 -- Michael Richmann
Alles ist im Fluss
Das Titelbild zur Multimedia-Reportage "Notfall Herzinfarkt" zum Klinik-Check Südwest des SWR. (Screenshot)

Das ist Teil 2 meines Werkstattberichts zum Klinik-Check Südwest im SWR. Hier geht es zu Teil 1.

 

Oh Mann, Pageflow! Ich liebe Pageflow. Seit der WDR dieses mächtige Werkzeug auf der Republica 2014 vorgestellt hat und seine ersten Multimedia-Geschichten damit erzählte, wollte ich mal damit arbeiten. Aber so viel Server-Leistung, wie das Ding realistischer Weise braucht, hat kein Mensch.

Damals konnte ja keiner ahnen, dass mich der SWR mal damit beauftragt, ein Pageflow zu bauen.

Die Suche nach dem perfekten Loop

Denn mittlerweile ist Pageflow in sämtlichen Landessendeanstalten angekommen. Und alle lieben Pageflow. Außer der Bayerische Rundfunk, der liebt Linius - (war ja klar, dass die wieder ihr eigenes Ding machen mussten). Das Problem: Selbst der WDR – Gralshüter und Big Boss in Sachen Pageflow – hält nur einen Bruchteil seiner Multimedia-Reportagen für wirklich gelungen.

Warum?

Das liegt an den Strukturen. Die meisten Öffentlich-Rechtlichen machen Fernsehen. Allerdings sind Fernsehen und Pageflow zwei komplett unterschiedliche Dinge: Das Fernsehen braucht viele Bilder und wenig Worte, um eine Geschichte zu erzählen. Ein Pageflow braucht vor allem eines: Ruhe. Das ideale Bild wird vom Stativ gedreht, dauert etwa 30 Sekunden, zeigt viel Bewegung, beginnt und endet aber so neutral, dass niemand merkt, dass der Computer das Video wieder und wieder abspielt – der perfekte Loop. Genau das, was im TV überflüssig ist.

Pageflow ist kein Fernsehen

Oft ist ein Pageflow eher eine Art Abfallprodukt, die Zweitverwertung von TV-Material. Wir hatten allerdings die seltene Chance, bereits vom Start weg mit einem Kamera-Team zu arbeiten, dass zwar hauptsächlich fürs Fernsehen unterwegs war, unserer Geschichte jedoch recht offen gegenüber stand. Dennoch mussten wir hintenraus improvisieren.

Denn der Konflikt liegt auf der Hand: Im Einsatz haben Autoren und Kamera-Teams in erster Linie Stress - gerade bei einer Reportage, in der es um Notfälle geht. "Öhm, könnt Ihr mit dem Reanimieren vielleicht noch einen Moment warten, ich muss grad mein Stativ aufbauen", sind denkbar unbrauchbare Worte, wenn der Chefarzt gerade seinen Defibrillator auflädt. Allerdings kommen coole verwackelte Reportage-Bilder von einem Notarzt-Einsatz nur im Fernsehen wirklich gut rüber. Wenn man versucht, den darauf platzierten Text zu lesen, lösen sie eher Brechreiz aus.

Besser selbstmachen

Das Ideal ist, man dreht selbst und hat parallel noch jemanden dabei, der Fotos macht (gerne auch umgekehrt). Aber auch das ist im dritten deutschen Internet schwieriger als gedacht: denn die Fernseh-Kollegen haben uns quasi verboten, mit eigenen Kameras zu hantieren: "wejen die Qualität, weischt?". Budget für eigene Kamera-Leute? Fehlanzeige. Und habt Ihr schon einmal versucht, mit einer Hörfunk-Produktionsnummer einen Video-Schnitt anzumelden? No way!

Zum Glück gibt es den kurzen Dienstweg, einsatzwillige Co-Autoren und verständnisvolle Disponentinnen, so dass es letztlich doch irgendwie geglückt ist, das Ding auf den Weg zu bringen.

Hier ist das Ergebnis…

 

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