Vom 07.08.2017 -- Sebastian Kirschner
Wenn es am schönsten ist

Warum ich meine Redaktion eigentlich noch nicht vermisse

Vor gut vier Monaten bin ich in Elternzeit gegangen, während des Volos. Damals habe ich erzählt, warum ich meine Redaktion vermissen werde (http://voloblog.journalistenschule-ifp.de/blog/128). Knapp zwei Wochen sind jetzt noch übrig, bevor es wieder zu meinen Kollegen von G/Geschichte geht. Und was soll ich sagen? Es kam alles genau so, wie ich es mir gedacht habe: Der wenige Schlaf, die fehlenden Gespräche mit Erwachsenen, der nicht vorhandene Feierabend… Trotzdem kann ich mir gerade kaum vorstellen, dass das schon bald wieder anders sein soll.

Ich werde es vermissen. All den Spaß, den ich mit meinem Sohn habe. Mein Rumalbern, das für Andere vermutlich recht kindisch wirkt, ihm aber jedes Mal ein freudiges Juchzen und Glucksen entlockt. Mit ihm um die Wette zu krabbeln und sich gegenseitig zu fangen. Die freundlichen und anerkennenden Blicke, wenn ich mit meinem Kleinen unterwegs bin – und das Lächeln, das er in fremde Gesichter zaubert. Die viele Bewegung draußen, in der Natur, die Führungsposition, die ich dort für meinen Sprössling bekleiden durfte. Und die Ergebnisse, die ich so unmittelbar erlebt habe: Die kleinen Erfolge, als er selbständig einen Happen Marmeladenbrot in seinen Mund bugsierte, als er die Trinkflasche selbst halten lernte. Und die großen: Als ich bei seinen ersten Schritten mit dabei sein konnte. Vor allem wird für mich eines bald viel kürzer kommen: Das Auftanken an seiner Freude und seinem ansteckenden Lachen. Ja, ich finde, die vergangene Zeit war gut ausgefüllt und ich hatte reichlich zu tun. Das anfangs etwas schlechte Gewissen, für fünf Monate in Elternzeit zu gehen, hat sich längst verabschiedet. Aber in seine Wohnung ist ein Nachmieter eingezogen. Und der fragt jetzt schon: Was wirst du noch alles verpassen? Was wird dein Sohn von dir denken? Hast du wirklich alles gut und richtig gemacht?

Vor ein paar Tagen mussten wir nun zum Kinderarzt, zu einer vorerst letzten Impfung für meinen Sohnemann. Beim gelangweilten Blättern in den immer gleichen Zeitschriften des Wartezimmers sprang mir ein Sprichwort ins Auge. Daran klammern sich meine Gedanken seither: Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören.