Vom 04.09.2018 -- Victoria Förster
Wenn ein Artikel dein Leben verändert
Inzwischen zieren maximal zwei wiederverwendbare Becher unsere Fennsterbank.

Der aromatische Geruch, die wohlige Wärme, das leicht bittere Aroma, die belebende Wirkung des enthaltenen Koffeins – wenn es um Kaffee geht, gerät meine Kollegin ins Schwärmen. Wie für viele Journalisten ist Kaffee für sie das reinste Lebenselixier. Klar, dass sie daher fast jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit einen kurzen Stopp bei ihrem Lieblingsbarista einlegt. Mit dem Kaffee in der Hand geht es dann ins Büro. Doch ein Artikel im Sonntagsblatt hat es geschafft, etwas an dieser Gewohnheit zu verändern: Ihre eigene Beitragsreihe rund um die Vermeidung von Plastikmüll.

Während meine Kollegin für ihre Serie recherchierte, stieß sie plötzlich auch auf die von ihr so häufig genutzten Coffee-To-Go-Becher. Aber Moment, ihre Texte sollten sich doch um das Thema Plastik drehen. Ist der Becher, in dem sie jeden Morgen ihren Kaffee holt, nicht aus Papier? Nach und nach las sie immer mehr über die schwer zu recycelnde Beschichtung der Einwegbecher und wie viele Millionen von ihnen täglich in den Müll wandern (bei uns übrigens lange Zeit nur wenige, meine Kollegin sammelte sie leidenschaftlich auf Schreibtisch und Fensterbank – natürlich nach Farbe und Größe sortiert, Ordnung muss sein).

Und dann passierte es: Von heute auf morgen machte sie Schluss. Keine Sorge, nicht mit dem Kaffee, der läuft noch immer literweise in sie hinein. Nein, der Artikel markierte für sie das Ende der Einwegbecher-Ära. Sie kramte Zuhause nach dem wiederverwendbaren Bambus-Becher, den ihr eine Freundin geschenkt hatte und dem Thermobecher, den sie einst auf einem Schüleraustausch in die USA gekauft hatte. Seitdem sind To-Go-Becher für sie ein echtes No-Go. Und tatsächlich, ich habe sie seitdem nie wieder mit einem dieser Pappdinger ins Büro kommen sehen. Der Artikel hat also tatsächlich ihr Leben verändert – und vielleicht auch meines, schließlich blicke ich beim Arbeiten jetzt auf Blumen und Deko statt auf leere, braun verschmierte Pappbecher auf unserer Fensterbank.