Vom 08.09.2015 -- Lea Albring
Weg mit dem Weichspülsprech
Gegen Rechts

Besorgte Bürger, Asylkritiker oder Asylgegner: Solche völlig bescheuerten und peinlichen Komposita und Neologismen kommen bei dem Versuch heraus, das radikal politisch Unkorrekte – sprich: das Asoziale und Kriminelle – mit politisch korrekten Worten zu beschreiben.

Aber warum begegnet man dem völlig Asozialen mit so einer verharmlosenden (und daher nur vermeintlichen) sprachlichen Political Correctness? Ich verstehe das  nicht.

Und deshalb bin und bleibe ich andauernd fassungslos und (Achtung, liebe P.C.-People, Kraftausdruck:) angepisst, wie man Neonazis, die als Mob durch die Gegend rennen, rechte Parolen skandieren und Unterkünfte für Geflüchtete anzünden, tatsächlich so nennen kann. Wer Erstaufnahmeeinrichtungen allen ernstes präventiv abfackelt, um sich vor etwaigen, in der Zukunft liegenden Übergriffen zu schützen, der ist in meinen Augen schlicht und ergreifend ein kriminelles, asoziales Arschloch oder auch ein menschenverachtender Nazi. Das Wort 'Asylkritiker' kommt mir jedenfalls nicht in den Sinn.

Und wenn jetzt Political-Correctness-Verfechter mit Schnappatmung das Wort 'Hatespeech' (by the way: was für ein dämlicher Anglizismus) hervorpressen: Bitte. Her mit dem obligatorischen Reflex-Argument. Ich nehme es mir genauso zu Herzen wie jene der 'Besorgten Bürger'. Weil Bezeichnungen wie 'Menschenverachtender Nazi' (Tautologie oder Pleonasmus?) oder 'Asoziales Arschloch' (definitiv eine Alliteration) für mich nicht Hatespeech, sondern (leider) ein sprachliches Abbild der Realität sind. Wenn in der Realität eine riesige Scheiße stattfindet, dann muss Sprache sie doch abbilden dürfen. Alles andere verzerrt die Realität. Denn Scheiße hört nicht auf zu stinken, wenn man sie mit Puderzucker bestreut.

Bei den nächsten Brandanschlägen, die, so unerträglich es auch ist, bestimmt kommen, werden die Medien in ihren Schlagzeilen wohl kaum von 'asozialen Arschlöchern' oder 'dämlichen Neonazis' sprechen – auch ich werde so eine Überschrift wohl nicht formulieren können.

Hier möchte ich aber sagen: Ich würde es gerne tun.

Denn ich habe mich dazu entschlossen, einem Nazi nicht mit Weichspülsprech und Pseudotoleranz zu begegnen. Warum sollte ich jemanden, der auf Kinder uriniert, der auf unsere Verfassung scheißt und der alle Ausländer pauschal zum Kotzen findet, auch nur mit irgendeiner Form von Respekt und Höflichkeit gegenübertreten? Ich sehe deshalb keinen Grund, verstohlen, unangebracht und unbeholfen von 'Asylkritikern' zu sprechen.

Da halte ich es doch lieber mit der Attitüde der Ärzte.