Vom 23.11.2016 -- Philipp Adolphs
Volo bei einer Kirchenzeitung? Check!
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10 Dinge, an denen Du merkst, dass Du bei einer katholischen Kirchenzeitung volontierst.

Ein Selbsttest

( Glossip: ) In der Kaffeeküche Deiner Redaktion hängt ein imposantes Kruzifix und von Deinen letzten acht Artikeln enthalten fünf zum größten Teil O-Töne vom Weihbischof? Dann halt‘ Dich fest! Du volontierst vielleicht bei einer katholischen Kirchenzeitung.

 

Treffen 7 von 10 Punkten zu, dann volontierst Du höchstwahrscheinlich bei einer katholischen Kirchenzeitung!

1.

​​Je-suis Christ! Nicht nur in der Redaktion an der Wand, sondern auch auf Außeneinsätzen begegnet Dir dieser arme gekreuzigte Mann mit den langen Haaren an jeder Ecke. Sei es in den zahlreichen Großbauten mit den hübschen Türmchen, in deren Präsenz überdurchschnittlich viele Deiner Termine stattfinden, oder sei es an den Halsketten Deiner Interviewpartner.

2.

Sehr geehrte Damen und Herren! Leserbriefe erreichen Dich auf dem postalischen Weg. Sie sind handschriftlich verfasst. Gott sei Dank ist eine Deiner Kolleginnen, die ihr Büro im zweiten Kellergeschoss hat, seit knapp 84 Jahren im Geschäft und kann Kurrentschrift und Sütterlin dechiffrieren.

3.

 L e s e r b r i e f e, die Du eigenständig lesen kannst, sind mit einer Schreibmaschine aufgesetzt worden. Inhaltlich geht es um den Sinn eines Zweiten Vatikanischen Konzils (das erste ist schließlich noch gar nicht richtig umgesetzt) oder um die zunehmende Freizügigkeit bei den Damen in der modischen Werbebeilage.

4.

W-Ort-Spiele: Katholiken lieben Wortspiele. Pressemitteilungen enthalten daher überdurchschnittlich viele davon. Sei es im Titel einer Veranstaltung im katholischen Bildungshaus (z.B. „Digitales Aufwach(s)en“), als Motto eines „wohl-tätigen“ Projekts oder im Namen eines Pfarrbriefs. Fair-standen, was ich meine?

5.

Vergelt’s Gott! Du findest ungewöhnlich nette Worte für den verkaterten Kirchenchor, Du widmest einem gewöhnlichen Projekt einen riesigen Artikel oder Du packst beim Brötchenschmieren für den Termin mit an: Was Du auch tust, es gibt keinerlei Rückmeldung. Solltest Du tatsächlich bei einer Kirchenzeitung arbeiten, können Deine gemeindeverwurzelten Interviewpartner schließlich davon ausgehen, dass es Dein JOB ist, wohlwollend und ausführlich über sie zu berichten!

6.

Richtig! Um die sachgemäße Berichterstattung zu garantieren, halten es Deine Gesprächspartnerinnen dennoch für selbstverständlich, dass Du ihnen den gesamten Text (nicht nur die Zitate) zum Autorisieren vorlegst. „Nur der inhaltlichen Richtigkeit wegen“.

 

Von diesen sechs Indizien treffen bereits einige zu? Sehr gut! Wenn Du bei einer katholischen Kirchenzeitung volontierst, hast Du nämlich alles richtig gemacht!

 

7.

Yummy: Der Kaffee in der Redaktion ist bio und fairtrade. Spätestens seit der Öko-Enzyklika Deines obersten Redaktionsleiters (Best-Pope-Ever-Francis) kann man in kirchlichen Einrichtungen ruhigen Gewissens seinen Koffeinspiegel aufrecht erhalten. Das allmorgendliche Frühstück mit der gesamten Belegschaft gilt als Arbeitszeit – was nicht so viel zur Sache tut: Es gilt ohnehin Vertrauensarbeitszeit. Kommste später, gehste früher.

8.

Schmeiß die Fuffies in den Club: Du wirst bezahlt. Anders als Deine Freunde, die nur unter der Bedingung, dass sie ein eigenes Auto haben für 400,- Euro im Monat (die sie an den Verlag bezahlen) beim Provinzanzeiger volontieren dürfen, überweist Dir der Bischof regelmäßig Deinen „wohl-verdienten“ Lohn (Achtung Wortspiel!).

9.

Liebe! Das Gespräch hat Kultur, die Kritik ist konstruktiv und die Liebe gilt den jeweils Nächsten: Viele Deiner Klienten und Mitarbeiterinnen bemühen sich um ein Miteinander voll Barmherzigkeit und Nachsicht. Das ist sicherlich auch bei säkularen Medien der Fall – aber da fehlt mir der direkte Vergleich.

10.

Nicht so bei Deinen Themen: Volontierst Du bei einer Kirchenzeitung, eröffnet sich Dir eine enorme Vielfalt: Das Korsett des Schwerpunkts (Religion/Kirche) zwingt Dich zwar zu einer strengen Vorauswahl, aber dafür ist die Herangehensweise flexibel: Tiefgehende Porträts, populärphilosophische Analysen, Features a la „Gott und die Welt“ und spannende Beobachtungen zu Politik, Ethik, Wirtschaft, Literatur, Theologie und Ökologie.

 

Weißt Du inzwischen, ob Du bei einer Kirchenzeitung volontierst? Wenn ja, dann herzlichen Glückwunsch (ich meine: Viel Glück und viel Segen!). Lass es mich wissen, wenn ich einen Punkt vergessen habe!

( Glossip over. )