Vom 15.02.2016 -- Michael Mahler
Parteimitglied als Journalist? Ich bin so frei!
Parteimitglied als Journalist?

In jedem Beruf gibt es Dos and Don'ts. Und manchmal gibt es sogar etwas dazwischen. Für Journalisten gehört dazu etwa die Frage, ob die eigene Arbeit mit der Mitgliedschaft in einer politischen Partei vereinbar ist. Wie frei und unbefangen ist ein solcher Journalist noch? Heißt es nicht immer, ein guter Journalist mache sich nicht gemein mit einer Sache, auch nicht mit einer guten?

Im Internet wird diese Frage jedenfalls kontrovers diskutiert. Auch die Mitglieder des Ethikrates der „Akademie für Publizistik“ haben dazu schon Stellung genommen. Und raten davon eher ab: Die Glaubwürdigkeit sei in Gefahr, ein Interessenkonflikt unvermeidlich. Man solle als Parteimitglied dann lieber für den Reiseteil schreiben oder gleich für die Parteipresse. Na, herzlichen Dank auch!

Vorbehalte gegenüber einer Parteimitgliedschaft sind leider verbreitet

Aber in Journalistenkreisen sind die Vorbehalte gegenüber der Parteimitgliedschaft offenbar verbreitet. Das hat Felix Dachsel bei seinen Kollegen festgestellt. Sein Kommentar dazu in der taz: „Sag's besser keinem“. Der Redakteur ist selbst bekennender Sozialdemokrat.

Ich bin CDU-Mitglied und sage es jedem, der es wissen will. Denn: Warum wird immer so getan, als würde man mit dem Parteieintritt das Hirn an der Garderobe abgeben und zum Parteisoldaten verkümmern?

Warum fragt eigentlich keiner, wie unabhängig ein Sport-Reporter ist, der dem FC Bayern oder Usain Bolt die Daumen drückt? Was tut er bei Kontroversen um seinen Lieblingsverein? Oder wie unabhängig ist ein überzeugter Katholik, wenn es um Religionsunterricht an staatlichen Schulen oder das Tanz-Verbot an Karfreitag geht? Würde ein Kirchenaustritt dem Katholiken – bei aller Überzeugung – die gewünschte Unabhängigkeit bringen oder wäre er nicht letztlich unehrlich, nur reine Kosmetik?

Journalisten müssen nicht unabhängiger sein als jeder andere auch

Man sollte sich doch nichts vormachen: Journalisten füllen nicht nur Seiten einer Zeitung. Sie sind auch selbst kein unbeschriebenes Blatt. Vor allem dann nicht, wenn sie über das berichten, was sie am meisten interessiert und wo sie sich am meisten auskennen. Ja, Journalisten sind nicht von Haus aus unabhängiger als jeder andere Normalsterbliche auch. Und müssen es auch gar nicht sein!

Wer sich aber für den Abglanz der Unabhängigkeit hält, sich gleichsam als über allem thronende vierte Gewalt begreift, läuft die größte Gefahr, sich politisch zum „jüngsten Gericht“ aufzuspielen und im tagespolitischen Klein-Klein aktiv Partei zu ergreifen – auch ganz ohne Parteibuch. So manche Medienkampagne dürfte dafür ein unrühmliches Beispiel geben.

Nein, Unabhängigkeit ist nicht gottgegeben. Journalisten müssen – mit oder ohne Parteibuch – immer wieder auf's Neue um Objektivität ringen und sich Distanz erarbeiten. Sich seines politischen Standpunkts, seiner subjektiven Haltung bewusst zu sein, kann dabei sicher helfen.

Wer mich also fragt: Parteimitglied als Journalist? Ich bin so frei.

Foto: S.Hofschlaeger/pixelio.de