Vom 07.02.2016 -- Lena Binz
Geiles Fußball- äh Sportdeutschland!
Tennis-Time im ifp - die Volos schauen Angelique Kerbers Triumph gegen Serena Williams.

30. und 31. Januar: Ein mehr als erfolgreiches Sportwochenende liegt hinter Deutschland. Tennisspielerin Angelique Kerber gewinnt die Australian Open in Melbourne, Viktoria Rebensburg entscheidet den Weltcup-Riesenslalom in Maribor für sich und die deutsche Handballnationalmannschaft holt in Polen den Europameistertitel. Junge Talente, ungemeiner Sportsgeist, große Überraschungen, sensationelle Erfolge. Deutschland kann eben mehr als nur Fußball. Obwohl das in diesem so fußballdominierten Land nicht immer so klar ist. Ohne das falsch zu verstehen: Ich bin ein großer Fußballfan. Aber eben nicht nur das.

Die Euphorie in der vergangenen Woche war enorm in Deutschland. Plötzlich sprach man nicht nur in Kiel, Magdeburg und Wetzlar über Handball, sondern überall auf den Straßen, in den Sportsbars und in den sozialen Medien. Sogar in der katholischen Journalistenschule lief der Fernseher am Wochenende heiß. Tennis wurde zur „Unzeit“, wie es manche Volo-Kollegen formulierten, am Samstagmorgen um 9.30 Uhr auf Eurosport geschaut – was natürlich an der Zeitverschiebung im fernen Down Under lag. Dass dieses Match zwischen Angelique Kerber gegen die Weltranglistenerste Serena Williams nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen lief, war die eigentliche Schande. Dabei hätte Angie diese mediale Plattform verdient gehabt, für die vergangenen Jahre harter Arbeit, für ihre unfassbare Leistung gegen eine schier unbezwingbare US-Amerikanerin.

Die deutschen Handballer spielten am Sonntag um 17.30 Uhr ihr Finale parallel zum großen FC Bayern München. Das hat nicht nur viele Sportfans in eine Zwickmühle gebracht. Fußballspieler und Kommentatoren ärgerten sich mindestens genauso schwarz über die Überschneidung, haben sie doch bisweilen das DHB-Team tatkräftig über die sozialen Medien angefeuert und unterstützt. Der Jubel in der Allianz Arena zum zwischenzeitlichen 5:1 des deutschen Teams gegen die Spanier war da fast lauter als bei einem Bayerntor. Und das war gut so! Zum Schluss hallten „Deutschland“ Deutschland!“-Gesänge durchs Stadion. Das Wochenende hat einmal mehr gezeigt, wie vielseitig und erfolgreich der deutsche Sport ist. Wie geil Sport einfach sein kann. Wie er begeistert, mitreißt, zusammenschweißt, Gemeinschaft schafft.

Sport ist vielfältig, Sport ist nicht gleich Fußball, auch wenn die Sportschau das so interpretiert. Ich liebe die Sportschau, ich liebe Fußball, aber ich liebe den gesamten Sport. Und dieser gesamte Sport sollte auch in den Medien, vor allem im Fernsehen diese Würdigung erhalten. Nicht nur am Supersportwochenende, wenn die Erfolge eingeheimst werden, auch im Sportalltag, wenn Angie auf Asche rackert oder die Handballer in ihren Vereinen spielen. In irgendeiner Weise muss diese Wertschätzung möglich sein. Das würde Sportdeutschland gut tun, das würde dem Sportjournalismus gut tun. Rudel vermeiden, auch mal gegen den Strom schwimmen. Das macht die Sache doch viel interessanter, auch das Spiel Elf gegen Elf. Fußball ist geil, aber Fußball ist nicht alles. Für ein vielseitiges Sportdeutschland. Dass wir so tolle Erlebnisse, wie vom vergangenen Wochenende öfter teilen können, mit Angie Kerber und den „bad boys“, den DHB-Jungs, mit Viktoria und den Fußballern, und den anderen Sportlern, die es verdient haben, mal aus den Nischen auf die große Bühne gehoben zu werden.