Vom 24.04.2017 -- Nadine Vogelsberg
World Wide Volo

Sechs Monate Volontariat sind vorbei: Das sind sechs Monate, in denen die ersten Kurse in München stattfanden, sechs Monate, in denen man langsam in der neuen Umgebung und auch in der neuen Redaktion des Kirchenboten in Osnabrück heimisch werden konnte. Zeit, sich eine neue Herausforderung zu suchen und zu sechs Wochen Praktikum aufzubrechen!

Da ich mein Volontariat bei einer Wochenzeitung mache, die fast ausschließlich im Print aktiv ist, wollte ich etwas ganz anderes ausprobieren. Und so landete ich in der online-Redaktion einer Tageszeitung, dem General-Anzeiger in Bonn. Für den Fall, dass dieses Internet sich doch noch durchsetzen sollte...

Was für ein Unterschied! Großraumbüro anstatt zwei-Personen-Büro, schnelles Tippen für online anstatt gemütliche Kaffeerunde zum Einstieg. Plötzlich arbeite ich nicht mehr auf eine Deadline am Dienstagmittag hin, sondern auf ein „so schnell wie möglich“, vor allem, wenn eine Eilmeldung über den Ticker der Nachrichtenagenturen reinkommt. Da heißt es schnell schalten, schnell tippen. Und nebenher natürlich, sich schnell in ein neues Umfeld einarbeiten,

Denn hier läuft es wirklich anders, immerhin ist dies kein kirchliches Medium. Beim Durchstöbern der Mails und der Agenturmeldungen springen mir immer wieder die kirchlichen Meldungen ins Auge: Papst feiert Ostern, Mainz hat einen neuen Bischof, es ist Kommunion, und, und, und... Sofort will ich das Team auf die Meldung aufmerksam machen, ehe mir einfällt, dass dies hier weniger interessiert. Dafür verfasse ich Meldungen über Fußballspiele, über hilfesuchende Haie und über betrunkene Jugendliche mit Marihuana in der Tasche, die auf geklauten Motorrädern unterwegs sind. Manchmal finde ich es bizarr, eine Meldung zu schreiben, die wirklich nur zum Schmunzeln gedacht ist, manchmal freue ich mich, ganz nah am politischen Geschehen dran zu sein.

Und auch die Geschwindigkeit ist neu: Mal bearbeite ich eine Polizeimeldung in zehn Minuten, maximal rufe ich jemanden an, um an zusätzliche Informationen zu gelangen und dann einen serviceorientierten Text zu schreiben. In Osnabrück dagegen setze ich mich auch mal ins Auto und fahre 130 Kilometer zu einem Termin, verbringe einige Stunden mit verschiedenen Interviewpartnern, bekomme noch eine Tasse Kaffee eingeschenkt. Zurück in der Redaktion recherchiere ich noch ein paar Fakten nach und mache mich dann ans Schreiben, 3000 Zeichen Text, anschließend die Gestaltung der Seite: wohin mit den Bildern, dem Text, der Info-Box. Da vergeht schon mal ein ganzer Tag.

Eine Flut von Meldungen und Kommentaren prasselt auf mich ein und nicht immer liege ich richtig in der Einschätzung dessen, was wichtig ist und was nicht. Für online zu arbeiten, stelle ich fest, ist manchmal ganz anders, und manchmal sehr ähnlich wie für Print. Die Texte sind kürzer, die Überschriften provozieren mehr und für eine mehrtägige Reportage hat niemand Zeit. Bei so etwas bedient man sich aus dem Print-Ressort - nachdem der Text entsprechende Änderungen erfahren hat. Online funktioniert anders. Aber online funktioniert auch gleich. Der Text muss spannend bleiben, muss informieren, muss den Leser mitnehmen. Da kann ich einiges ins Print-Ressort mitnehmen.

Und ich habe ja noch ein bisschen Zeit, ehe mein Praktikum endet, um herauszufinden, welche Meldung in welchem Ressort funktioniert. Damit ich gewappnet bin, für die Zeit, in der das Internet sich womöglich durchsetzt...