Vom 28.03.2018 -- Julia Rosner
Networking für Dummies
Kirche im Web 2018 in Stuttgart

3.45 Uhr. Das schrille Piepen meines Weckers reißt mich aus dem Schlaf. Gerade noch bin ich durch ein sonniges Tal gewandert und habe mich in der Mittagshitze unter einem Baum niedergelassen. Aber: Das war leider nur im Traum. Fünf Mal klingelt mein Wecker bis ich ihn endlich ausschalte. Ich krieche unter der warmen Bettdecke hervor und setze langsam einen Fuß nach dem nächsten auf die kalten Fliesen in meinem Zimmer. Jetzt wünsche ich mir, ich wäre in diesem sonnigen Tal aus meinem Traum und müsste nicht am viel zu frühen Morgen bei minus 10 Grad aus dem Haus gehen.

Die Vorfreude auf den bevorstehenden Tag motiviert mich jedoch. Statt mit der Straßenbahn in die Redaktion, geht es heute mit dem ICE nach Stuttgart. Ein guter Freund von mir, der auch in kirchlichen Medien arbeitet, hat mir von einem Journalistentreffen erzählt, zu der er jedes Jahr fährt: „Kirche im Web“ (kurz Kiw). Als ich unseren Chefredakteur zuvor behutsam angefragt habe, ob ich zu der Tagung fahren dürfe, war er sofort begeistert. Die Aussicht, dass ich ein paar gute Tipps für die Weiterentwicklung unserer Zeitung und unseres Online- und Social-Media-Auftritts mitbringen könnte, hatte ihn überzeugt.

Gummibärchen in der ersten Klasse

Nach einer entspannten Erste-Klasse-Zugfahrt mit Gummibärchen satt (aufgrund einer technischen Störung durften wir in der ersten Klasse fahren), ging es vom Bahnhof Stuttgart direkt weiter zum Tagungshotel, der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Dort traf ich zum ersten Mal auf die anderen Journalisten, die mich sofort in ihre Reihen aufnahmen. Nach einem kurzen Austausch über unsere Arbeitsbereiche, ging das Tagungsprogramm los.

Ein Impulsvortrag führte uns in die „Macht des Storytellings im Web“ ein. Wie muss eine gute Geschichte aufbereitet werden, damit sie möglichst viele Klicks bekommt? Wie funktioniert crossmediales Storytelling? Und was macht überhaupt eine gute Geschichte aus? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Kick-offs. Zwischendurch haben wir uns immer wieder untereinander ausgetauscht und verglichen, wie Storytelling in unseren jeweiligen Medien funktioniert und welche Erfahrungen wir bereits gesammelt haben. Anschließend folgten Bar Camps zu Themen wie Datenschutz, dem Facebook- Algorithmus und der Gestaltung von Online-Newslettern.

Auf ins Getümmel!

Zwischen den Camps und während des leckeren Essens im Tagungsrestaurant war Zeit für den Austausch mit den anderen Teilnehmern. Obwohl sich mein Magen bei dem Wort „Networking“ bisher immer ein wenig verzogen hat, fiel es mir in der lockeren Atmosphäre ungewohnt leicht, mit den anderen Journalisten ins Gespräch zu kommen. Einige meiner Kollegen hatten bereits an denselben Projekten wie ich gearbeitet und einer der Teilnehmer ist sogar mit meiner Uni-Dozentin befreundet. Während Visitenkarten und Nummern hin und her geschoben wurden, diskutierten wir immer auch über Herausforderungen und Lösungsansätze für die Arbeit in den kirchlichen Medien.  Mit der Zeit habe ich meine Angst vorm Networking verloren und konnte mit fast jedem Tagungsteilnehmer mindestens einmal plauschen.

Neben einer Handvoll Visitenkarten und netten Begegnungen habe ich von der „Kiw“ viele Tipps und Impulse für meine Arbeit bei der Kirchenzeitung mitgenommen, die ich meinen Kollegen in Köln bei unserer nächsten Redaktionskonferenz präsentieren werde. Die wichtigste Erfahrung für mich war jedoch, dass Networking (auch außerhalb des ifp) einfacher ist, als gedacht. Dafür hat sich das frühe Aufstehen mehr als gelohnt.