Vom 11.07.2016 -- Sara Mierzwa
Journalismus heißt nicht lieb sein
Gelbe Früchte

Im Ökologie- und Wirtschaftsressort ist die Themenspannweite groß und die Offenheit der Kollegen für neue Themen ebenfalls. Mal schrieb ich über die Heilpflanze des Jahres ,Gänseblümchen, oder ausgestorbene Mosaikschwanzratten. Ein andermal beschäftigte ich mich mit „ernsten“ Themen wie ein Bayer-Chemie-Unternehmen oder die Folgen des Brexit für britische Unternehmen. Das Wichtigste war und ist: kritisch sein.

Mein erster Artikel wurde noch als PR-Artikel, den ich für 500 Euro an das Unternehmen verkaufen könnte kritisiert. Danach änderte sich das: Die Fragen für die Interviewpartner wurden nerviger, die Recherchequellen mehr und die kontroversen Kommentare auf meine Artikel im Internet nahmen ebenfalls zu. Wer kritisch schreibt, wird nicht von allen gemocht. Das tut manchmal auch weh. Die Winzer fanden meinen Pestizid-Artikel nicht gut. Kupfer sei gar nicht so gefährlich. Dann kann man notfalls immer noch Kekse für die Redaktion backen, um sein Menschen-Gutes tun-Bedürfnis zu befriedigen.

Journalistische Artikel sind jedenfalls nicht der richtige Ort fürs Liebsein. Dort soll es um einen differenzierten Blick gehen. Dort soll der Wahrheit möglichst nah gekommen werden. Dafür muss man die Leute manchmal auch nerven und alle Gegenspieler befragen. Selbst wenn drei Leute die Sonne warm finden, kann man meistens noch einen vierten finden,  der Argumente bringt, warum sie kalt ist. Solange muss man suchen. Und wenn man das dann aufschreibt, findet das mindestens einer blöd. Kritisch – das ist ein Mantra der taz. Auch in Kirchenzeitungen lässt sich das umsetzen, kann aber weh tun.