Vom 23.04.2015 -- Michael Richmann
Ein Weltraumspaziergang
Regierungssprecher Steffen Seibert im Gespräch mit Schülern und Absolventen der ifp-Journalistenschule. Bild: Sabine Winkler

Aus dem Weltraum betrachtet, ist Berlin eine Stadt der kurzen Wege. Von der Bundespressekonferenz am Schiffbauerdamm bis zum Kanzleramt sind es gerade einmal sieben Minuten Fußweg – vorbei am Paul-Löbe-Haus, wo die Bundestagsabgeordneten ihre Büros haben, und in Sichtweise des Reichstags, wo permanent an Deutschlands Zukunft gefeilt wird.

Aus der Perspektive eines Volontärs in Grundausbildung ist Berlin eher so etwas wie der Mond. Ein Sehnsuchtsobjekt mit den Hauptstadtstudios zum Andocken, in dessen Orbit bereits Hunderte Journalisten schwirren.

Crashkurs für Hauptstadtjournalisten

Damit der journalistische Nachwuchs nicht schon im Anflug auf Berlin an der Atmosphäre zerschellt, bietet das Bundespresseamt eine Art Crashkurs in Sachen Hauptstadtjournalismus an – #Tothemoonandback: 25 Journalisten, zwei Tage, fünf Hintergrundgespräche, einmal Bundespressekonferenz und dann noch zu Zeit-Online. Alles <3.

Und damit fängt es auch schon an: <3 bezieht sich auf Artikel 3 der Satzung der Bundespressekonferenz. Dort heißt es, dass alles, was gesagt wird, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist – also #pssssst! Basiswissen für Spacecowboys, im Alltag jedoch ungefähr so nützlich wie html-5-Code für Printjournalisten.

Hintergrundgespräch mit Steffen Seibert

Von unserem Basislager – einem viel zu teuren Hotel in Mitte – starteten wir unsere Weltraumspaziergänge, trafen Staatsekretäre und Ministerialbeamte, sprachen über Flüchtlingspolitik, die Energiewende und die staatliche Kulturförderung.

Protokollarischer Höhepunkt war das Treffen mit dem @RegSprecher, Steffen Seibert. Der oberste Kommunikator des Mondes hatte im Bundeskanzleramt jeden einzeln per Handschlag begrüßt und damit gleich mal unterstrichen, was Sache ist: Schön, dass Ihr da seid, aber der Chef bin ich. Am Vortag war er noch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Kondolenzbesuch in den französischen Alpen; gleich im Anschluss ging es zum Kabinett - #busybusy.

Der ehemalige ZDF-Moderator ist vor einigen Jahren aus dem Orbit auf die Kommandobrücke des Mondes gewechselt. Und eigenen Angaben zu Folge hat er den Sprung in die bundesdeutsche PR-Abteilung nicht bereut: „Der Journalismus war eine tolle Episode in meinem Leben, aber ich bin nicht der Mensch, der wehmütig zurückblickt. Mit dem Kapitel habe ich abgeschlossen.“

Tipps von einem alten Hasen

Eines wollte der ausgebuffte PR-Stratege uns Greenhorns aber noch mit auf den Weg geben: „Im Nachhinein hätte ich mich sicherlich noch viel tiefer in die jeweiligen Themen eingelesen. Denn nichts ist schlimmer, als von einem Journalisten befragt zu werden, der offensichtlich keine Ahnung hat.“

Nach 48 Stunden hat die Mondlandung ihren Schrecken verloren: Die Anziehungskraft ist immer noch da, aber wir sind auf der Oberfläche Berlins spaziert und haben jetzt eine Ahnung, wie Hauptstadtjournalismus funktioniert. #Kannmanmalmachen!

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