Vom 31.05.2018 -- Barbara Zeidler
Aufregung wie am ersten Tag
2017 war es noch die Bewerbermappe, 2018 ist es das ifp-Namensschild.

Schon auf dem Weg zum ifp fühlte es sich irgendwie anders an. Diesmal fuhr ich alleine hin. Keine anderen Volontäre um mich herum, kein Gewusel wie die letzten Male, wenn ich zu einem der Kurse dorthin gefahren bin. Dieses Mal war es wieder wie bei meinem Auswahltag vor einem Jahr. Und obwohl ich eigentlich nichts befürchten musste, merkte ich, wie auch in mir die Aufregung ein bisschen stieg.

Als ich die Tür zum ifp öffnete war es ganz still um mich herum. Niemand zu sehen. Nur ein paar vereinzelte Lacher drangen aus dem Aufenthaltsraum im Keller – dem „Kapuzino“ – zu mir hoch. In den Kurswochen habe ich hier abends mit den anderen Volontären aus meinem Jahrgang zusammengesessen, Singstar gespielt und getanzt. Aber die waren jetzt nicht hier. Sie waren in ihren Redaktionen. Und noch während ich überlegte, ob ich die Treppe herunter zu den Neuen gehen solle, kam ein Mädchen herein. Sie schaute sich etwas hilflos um. Ich fragte sie, ob ich ihr helfen könne und sie erklärte, dass sie ihr Zimmer suche. In diesem Augenblick fühlte ich mich endgültig an den Tag zurückversetzt, an dem ich zum ersten Mal das ifp besucht habe – einen Tag, an dem es meinen Jahrgang noch nicht gab, an dem ich noch nicht wusste, wo welche Räume waren – an meinen eigenen Auswahltag.

Auch in diesem Jahr war die Nacht sehr ruhig. Vermutlich lagen alle aufgeregt in ihren Betten. Um Viertel nach sieben klingelte mein Wecker. Duschen, Kofferpacken, dann ging es Richtung Frühstück. Auf dem Weg begegnete mir eine andere Bewerberin – dachte ich zumindest. Gleichzeitig mit mir begrüßte sie Andrea Engelke, die gute Fee des ifp. Die beiden schienen sich zu kennen. Also fragte ich sie siegessicher, ob sie auch heute beim Auswahltag mithelfen würde. Ihre Antwort ließ mich mindestens drei Köpfe kleiner werden: „Ich sitze in der Jury.“

Für einen kurzen Augenblick hatte ich vergessen, dass ich heute gar nicht selber zum Auswahlgespräch im ifp bin. Die angespannte Situation löste sich aber schnell auf und wir gingen zusammen frühstücken. Am Tisch bat sie mir das du an. Ich per du mit der Jury - vor einem Jahr wäre das noch unvorstellbar gewesen.

Jetzt sitze ich vorne am Referentenpult, schaue in die Runde und beantworte Fragen. Es sind nicht viele Fragen. Die meisten Bewerber blicken gebannt auf ihre Bildschirme. Ihre Finger springen von Taste zu Taste. Auch dieses Jahr schreiben sie einen Bericht und einen Kommentar. Nur das Thema hat sich geändert. In diesem Jahr geht es nicht um die Vereinbarkeit von AfD und Kirche, sondern um die Kreuzdebatte Bayerns. Die Nervosität um mich herum ist zu spüren. Jede Stunde begleite ich eine Vierer-Gruppe zu ihrem Auswahlgespräch. Die Chance einen Volontariatsplatz im Jahrgang #V18 zu bekommen steht in etwa 50 zu 50. Meinen Zusage habe ich zum Glück schon vor einem Jahr bekommen. Um meinen Hals trage ich ein Namensschild: Barbara Zeidler – ifp