Vom 28.09.2016 -- Anna-Lena Herbert
Achtung: Suchtgefahr!

Meine Augen sind zu langsam. Den atemberaubend schnellen Klicks des Morgenreporters am Online-Desk der „Kieler Nachrichten“ können sie nur ansatzweise folgen. So schnell wie der Kollege klickt, kann ich nicht gucken. An den Echtzeitjournalismus der Onliner und ihre rasante Gangart muss ich mich im Praktikum erst gewöhnen. Nach ein paar Tagen klappt das mit dem Gucken dann aber schon besser und auch meine eigenen Klicks gehen flotter von der Hand. Komplett upgedatet bin ich zwar noch nicht, aber der Balken bewegt sich…

Bewegung ist überhaupt das Stichwort im tagesaktuellen Zeitungsgeschäft. Hier ist kein Tag wie der andere. Ständig verändert sich etwas. Und ich bei den Onlinern mittendrin! Da tauchen im Laufe des Arbeitstages Dinge auf, von denen man am Morgen noch gar nichts geahnt hat. Wenn man urplötzlich (von den Kollegen aber immer gut vorbereitet) zum Geburtstag des berühmtesten DJs der Stadt geschickt wird, einen Artikel zum ungewöhnlichen Septemberwetter recherchieren oder sich am späten Nachmittag noch eine Glosse aus dem Ärmel schütteln soll, ist der Adrenalinkick inklusive. Achtung: Suchtgefahr! 

Ich zittere. Und nein, dass sind keine Entzugserscheinungen. Ich versuche nur angestrengt das iPad beim Livestream während der Pressekonferenz mit dem schleswig-holsteinischen Innenminister zu den Anti-Terror-Razzien ruhig zu halten. Meine Kollegen hatten mir zwar gezeigt, wie man seinen eigenen Körper als Stativ verwendet (und zwar so: angewinkelte Arme auf Brusthöhe fest an den Körper pressen), aber zwischen den ganzen anderen Pressevertretern ist das gar nicht so leicht. Muss ich wohl noch etwas üben. (Ob das Zittern verschwindet, wenn man mehr Kaffee trinkt?)

Üben kann ich auch noch viele andere Dinge während meines Online-Praktikums bei den „Kieler Nachrichten“: interaktive Karten, Teaser-Schreiben, Videos, Infografiken oder Timelines. Und auch wenn meine Updates noch nicht alle 100 Prozent erreicht haben  – schneller gucken kann ich jetzt.

Foto: Anna-Lena Herbert