Vom 19.06.2017 -- Beatrice Steineke
7 Tipps, die ich vor #nr17 hätte wissen müssen

 

Die netzwerk recherche-Jahreskonferenz #nr17 in Hamburg ist vorbei! Diese sieben Punkte bleiben mir im Kopf - nach drei Tagen mit 300 Kollegen in einem öffentlich-rechtlichen Sendergebäude mit Filzboden und norddeutschem Seegeruch.

 

 

1. #freedeniz darf kein Hashtag bleiben

Die Eröffnung von #nr17 begann mit einer Überraschung. Nicht nur alle verfolgten und aus ihrer Heimat geflohenen Medienmacher wurden begrüßt. Und nicht nur die angekündigte Doris Akrap hielt eine Rede für ihren Freund und langjährigen Kollegen, den in der Türkei inhaftierten „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel. Gleich dreizehn Journalisten, darunter auch Anja Reschke und Ingo Zamperoni, verlasen Grußworte in Form eines offenen Briefes an Yücel. Niemand solle all die anderen vergessen, die nicht in Deutschland sein könnten. Für sie müssten alle Journalisten zusammen kämpfen. Auch für Deniz. „Damit #freedeniz kein Hashtag bleibt“, sagte Akrap zum Schluss.

https://netzwerkrecherche.org/blog/lieber-deniz/

 

2. Wenn deine Tastatur kein Hebräisch kann, ruf einfach beim Empfang des Handelsregisters in Jordanien an.

In „Datenschätze und Fallstricke – So können Journalisten Datenbanken nutzen“ habe ich zum ersten Mal das Online-Handelsregister von Jordanien gesehen. Und gelernt, was man tut, wenn die Online-Recherche nicht weiterführt, weil die Tastatur kein Hebräisch kann. Spiegel-Journalistin Nicola Naber stand vor diesem Problem und hat einfach in Jordanien angerufen. Die Dame am Telefon schickte ihr sogar einen Auszug aus dem Register zu. So verfolgt man eben auch die Spur des Geldes, welches über Firmen in Jordanien und Lettland, dann doch nach Deutschland gelangte.

https://netzwerkrecherche.org/blog/wie-sie-datenbanken-austricksen-koennen/

 

3. Behalte auf dem Führerschein deinen Mädchennamen.

Zum Beispiel wenn man verdeckt in einer Kölner Kantine als Minijobberin ein- und ausgehen will. So hat es Anette Dowideit, WeltN24, gemacht. Ich hatte zwar nicht vor demnächst einen Undercover-Einsatz als Gisela Wallraf zur Primetime im Privatfernsehen zu starten. Aber „Wie man Informanten gewinnt und schützt“, das ist in jedem Fall gut zu wissen. Übrigens: Der Presserat billigt verdeckte Recherchen nur, wenn gar nichts mehr geht.

https://netzwerkrecherche.org/blog/die-recherchezigarette-gehoert-dazu/

 

4. Singles lieben Tiere.

Schaut euch mal 10.000 Tinder-Profile in einer Nacht an! Felix Dachsel, ZEIT ONLINE, hat es getan und uns davon am Freitagabend beim Reporter Slam berichtet. Gesehen hat er kleine Hunde neben großen Menschen, große Hunde mit hängenden Mundwinkeln und einem riesigen Gähnen im Gesicht. Er hat sich gefragt, ob jetzt die Giraffe im Bild sein Date werden könnte oder die Trägerin der kleinen Nase, die links am Bildrand noch zu sehen ist. Oder vielleicht doch die Jägerin mit dem erlegten Reh? Für die Tränen, die wir gelacht haben über Kurioses und Verstörendes, hat Felix Dachsel zu Recht den allerersten Reporter Slam in Hamburg gewonnen.

https://netzwerkrecherche.org/blog/mit-tinder-zum-reporterpokal/

 

5. Der Taxifahrer bringt die eigene Filterblase zum Platzen.

„Recherchieren in unfreien Gesellschaften“, bedeutet zum Beispiel in China genau das. Lea Deuber, Korrespondentin für die WirtschaftsWoche in Shanghai, bespricht auf der Heimfahrt schon mal ihre Themen mit dem Taxifahrer. Auch um Themen zu finden, auf die ihre Redaktion in Düsseldorf vielleicht nicht kommt. Bis 2020 will China übrigens seine Staatsbürger mithilfe eines „Social Credit“-Systems bewerten. Wie hoch wird dann wohl ein vielleicht frei sprechender Taxifahrer im chinesischen Ranking stehen?

https://netzwerkrecherche.org/blog/recherchieren-mit-der-speicherkarte-in-der-babywindel/

 

6. Eine Schreibtischlampe und eine Mehrfachsteckdose gehören in den journalistischen Werkzeugkasten.

Die Online-Redaktion der #nr17 übernahm die Räume der NDR-Redaktion DIE BOX. Und die waren recht lampen- und steckdosenarm. Zwei Tage lang belagerten wir den Flur. Auf dem Boden, auf den Polstern vor der Kaffeemaschine und am Stehtisch saßen überall Nachwuchstalente von ifp, JONA/KAS, DJS und TU Dortmund. Ganz oben auf der Hitliste der meist gestellten Fragen: „Gibt es hier eigentlich kein Licht?“. Dicht gefolgt von: „Sind schon alle Steckdosen belegt?“

 

7. Die Stips sind eine kreative und trinkfeste Bereicherung für ifp- Volos.

Danke für jedes Gespräch, jeden Schluck Bier, jede Essensempfehlung und jeden Lacher. Und umgekehrt: Was wären die Stips im ifp ohne die Volos? Sie würden den ganzen Tag am sozialen Volo-Kater leiden. Das Kompliment von einer Stipendiatin, darf ich bestimmt an alle weitergeben ;-)