Vom 02.12.2014 -- Ann-Christin La...
Praktikantenglück

Da führt einen das Praktikum von einer Wochenzeitung zu einer Lokalzeitung - und bringt allein dadurch schon eine riesige Umstellung mit sich: Druck ohne Ende, permanente Zeitnot und wie immer viel zu wenig Redakteure, um die Seiten am nächsten Tag zu füllen. Als wären diese Eindrücke für eine Praktikantin nicht schon genug. Zusätzlich ist bei mir wohl das eingetreten, was man allgemein auch als „Praktikantenglück“ bezeichnet.  Unverhofft kommt oft.

 

Nach nur vier Tagen „schreibt“ der zuständige Redakteur morgens in der Konferenz einen Termin aus. Ein „Talk“ mit Oliver Kahn, veranstaltet von einem Geldinstitut. Rund 100 gute Kunden der Bank sind also eingeladen, einem Talk zwischen der Moderatorin und Journalistin Juliane Hielscher und dem Welttorhüter zu lauschen. Der Blick geht zu den Kollegen im Sport. Sie sind quasi prädestiniert für den Termin. Acht Bundesliga-Spiele am Abend. Keine Chance. Der Blick geht nun in die ganze Runde. Keiner meldet sich. Die einzelnen Kalender sind voll. Den Vormittag über telefoniert der zuständige Redakteur herum, um einen freien Mitarbeiter aufzutreiben. Wieder kein Glück. Am Mittag dann die Frage an mich: „Hast Du vielleicht Lust, Olli Kahn heute Abend zu treffen?“ Aber sicher doch! Meine Ahnung von Sport ist zwar gleich null, das muss ich aber ja so deutlich nicht sagen. Irgendwie klappt das schon.

 

Olli Kahn ohne Fußball?

 

Und es klappt wirklich. Olli Kahn präsentiert sich locker im hellen Anzug, lacht viel, witzelt herum. Nur auf Gespräche zum Thema Fußball hat er kurioserweise keine Lust, wie er schon zu Beginn sagt. Aber er weiß selber, dass das eine Illusion ist. Ein Abend mit Olli Kahn ohne Fußball? Keine Chance. Er erzählt davon, wie sein Großvater ihm ein gelbes Torwarttrikot geschenkt hat und Olli sich nur ihm zuliebe ins Tor gestellt hat; er erzählt von dem harten Konkurrenzkampf untereinander, von der großen Einsamkeit nach einem großen Spiel, aber auch von den Teamkollegen, von der Mannschaft, die ihm heute am meisten fehlt. In die sportliche Tiefe geht es in diesen eineinhalb Stunden zum Glück nicht. Zum Glück für manche weibliche Besucher, sagt mir mein Gefühl, zum Glück aber auch für mich.

 

Für das mittlerweile obligatorische „Selfie“ reicht die Zeit am Ende nicht mehr. Schließlich muss der Text innerhalb der nächsten Stunde stehen - dann wird gedruckt.