Vom 25.10.2018 -- André Wielebski
Durch die Nacht
Zugfahren bei Nacht

Ein Blick zurück auf zwei Wochen Seminar beim ifp: Wir arbeiteten viel, wir lachten viel, wir hatten Spaß, aber nach 14 Tagen in den Mauern der Journalistenschule ist auch der letzte Witz dreimal erzählt worden. Es war Zeit für die Heimreise. Hier eine Umarmung, da ein Abklatschen und
hinein in den ICE Richtung Heimat, zurück ins einzig wahre Bundesland – Nordrhein-Westfalen. Der Sonnenschein brannte durch das Fenster in den Augen. Es war voll, viele Pendler fuhren zurück nach Nürnberg.

Die Stunden vergingen. Immer mehr Stationen ließ der Zugführer hinter sich, und ich mit ihm. Nach und nach stieg so etwas wie Entspannung in mir auf. Nach der Station Frankfurt war der Zug so leer wie ein ICE nun mal leer sein kann – Beinfreiheit! Es war dunkel. Nun war die Musik im Kopfhörer keine Ablenkung mehr vom Gequatsche meiner Nachbarn, sondern ich genoss sie. Ich schlug ein Buch auf, las ein paar Seiten, schaute nach draußen, verfolgte die hellen Punkten in der Dunkelheit und las wieder ein paar Seiten. Ich nahm den Kopfhörer ab und es war still im Zug, bis auf ein paar leise Gespräche in den vorderen Reihen. Zugfahren kann so schön sein. Kopfhörer wieder auf und die Band „The National“ ertönte, der perfekte Soundtrack zum Nachtfahren. Die letzten zwei Stunden der sechsstündigen Fahrt vergingen wie im Flug. Da störten dann auch die Helikopter-Eltern mit ihren zwei Kindern nicht mehr, die als erste Amtshandlung den Tisch desinfizierten und mit einem Tuch drüber wischten. Kurzes, innerliches Kopfschütteln, und wieder zurück in die
nächtliche Glückseligkeit.

Einen Nachtzug zu buchen für die Hinfahrt Richtung München, zum nächsten ifp-Kurs, ist leider nicht möglich. Dann muss die ifp-Spotify-Playlist für gute Laune sorgen und die Vorfreude ist sowieso riesig die fünfzehn Nasen wiederzusehen. Aber wenn es wieder zurück geht, dann hat die Nacht mich wieder.