Vom 02.08.2018 -- Barbara Zeidler
Kinderheft für den Deutschen Botschafter

Ich hatte Glück! Meine Chefin fragte mich, ob ich Lust hätte, für eine Recherchearbeit nach Brüssel zum Europäischen Parlament zu fahren. Wow! Welcher Volontär bekommt schon solch ein Angebot? Aber es kam noch besser. Kaum hatte meine Chefin diesen Vorschlag ausgesprochen, erreichte mich eine Mail des ifp: „Ausschreibung Europawoche 2018“. Eine Woche Brüssel mit Schwerpunkt Europapolitik – das passte wie die Faust aufs Auge.

Anfang Juni ging es dann los. Jeden Tag standen andere spannende Dinge auf dem Plan: Europäisches Parlament natürlich, Europäischer Rat, Europäische Kommission, Gespräch mit Auslandskorrespondenten, Aufsagertraining, und so weiter. Und bei jedem dieser Termine machte ich fleißig Fotos für unser Kindermagazin Stafette. Mal von einer Person oder einem Gebäude, dann mit mir drauf oder mit Stafette in der Hand.

An unserem letzten Abend fuhr unsere Reisegruppe in die Ständige Vertretung. Vor Ort erwartete uns ein großer Besprechungsraum mit schicken Sesseln. Wir machten es uns bequem. Dann betrat ein bebrillter, grauhaariger Mann den Raum: Unser deutscher Botschafter bei der Europäischen Union Reinhard Silberberg. Er war ein eindrucksvoller Mann. Alle Korrespondenten, die wir bis dahin getroffen hatten, hatten uns schon von ihm vorgeschwärmt: „Dieser Mann kennt sich in der EU-Politik aus, wie kaum ein anderer.“, „Wahnsinn, dass ihr die Chance habt, ihn noch so kurz vor seiner Rente zu treffen. Nutzt die Gelegenheit!“, und das taten wir.

Reinhard Silberberg strahlte Ruhe aus. Er setzte sich zwischen uns und beantwortete geduldig all unsere Fragen zur Europapolitik. Eine Stunde lang, dann musste er zu einem nächsten Termin.

Jetzt oder nie, dachte ich und rannte hinterher. Aus der Tür raus hielt ich ihn auf und fragte ihn, ob wir ein gemeinsames Bild machen könnten. Mir war es so unangenehm, ihn wie ein Groupie zu belästigen. Aber ich wollte unbedingt dieses Bild mit nach Deutschland in meine Redaktion bringen. Die Blöße wollte ich mir nicht geben, nicht mutig genug zu sein, um nach einem Bild zu fragen. Wie sich dann herausstelle, machte ich mir diese Sorgen völlig zu Unrecht: „Aber selbstverständlich. Wo wäre es Ihnen denn am liebsten?“, fragte er. Und so stellten wir uns vor eine Deutschland-Flagge, die den Flur dekorierte. Eine andere Europawochen-Teilnehmerin fotografierte uns. Cheese. Ich zeigte ihm die Stafette und fragte, ob wir auch ein Bild mit dem Heft machen könnten. Seine Mundwinkel wanderten nach oben. Zum Abschluss überreichte ich ihm das Heft als Dankschön. Aus dem Grinsen wurde ein lautes Lachen: „Meine Tochter ist vermutlich aus dem Alter schon raus und mein Enkelchen noch zu jung. Aber ich verwahre das Heft gerne so lange auf, bis es die Stafette lesen kann.“

 

 

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