Vom 25.06.2018 -- Claudia Kohler
Das Glaubens-Festival
Festival-Feeling auf dem Katholikentag: Luftballons und Seifenblasen; im Gras auf die nächste Show warten.

Also, der Katholikentag in Münster – ja, Kevin, ich weiß, dass der schon wieder ewig her ist! Ist aber egal, weil es nicht nur irgendein Katholikentag war, sondern mein erster Katholikentag. Als Auszubildende am ifp hatte ich die Möglichkeit, in einer bunt zusammengewürfelten Multimediaredaktion die Webseite und Social-Media-Kanäle mitzugestalten. Beim größten Christentreffen seit 1990 – ganz schön aufregend.  

Irgendwie hatte ich trotz KLJB und Studentengemeinde die christlichen Mega-Events bisher verpasst. Aber ich habe keine Angst vor solchen Großveranstaltungen – ich liebe sie! Einige Feuertaufen, Regentaufen und Sangriataufen lassen mich überzeugt sagen: Ich habe Festival-Erfahrung. Nur eben keine GLAUBENS-Festival-Erfahrung. Auch hat sich mir noch nie die Möglichkeit geboten, Festival-Journalismus-Erfahrung zu sammeln.

So völlig ohne Glaubens-Festival-Journalismus-Erfahrung habe ich unsicher meinen Koffer gepackt und versucht, das Motto des Katholikentages 2018 zu verinnerlichen: „Suche Frieden!“ Die dicke Rolle silbrig-graues Klebeband, bisher einer meiner treuesten Begleiter auf jedem Festival, blieb zuhause. Nach einer tollen und anstrengenden Zeit in Münster und einigen Wochen Kontemplation bin ich um viel Erfahrung reicher – und will ein paar Vergleiche anstellen:

Das Line-Up
Hat jemand schon mal ein Festival-Programm gesehen, das gefühlt 5000 Veranstaltungen beinhaltet? Bei dem alle Headliner gleichzeitig auftreten? Nein? Ja warum auch, das nervt unheimlich! In meinem Enthusiasmus habe ich mir das gesamte Programmheft durchgelesen. Auf über 150 Podien, Workshops, Gesprächsrunden und Impulsvorträge bin ich gestoßen, die mich wirklich brennend interessiert haben. Nach qualvollem Sortieren landeten etwa 25 davon in meinem Kalender, oft zwei oder drei zur gleichen Zeit. Letztendlich habe ich doch spontan entschieden.

Die Menschenmassen
Wie auf jeder anderen (Groß-)Veranstaltung: Viele Menschen auf engem Raum sind laut und schwitzen ... Schlange stehen ist doof … Singen hilft.

Die Multimedia-Redaktion
Was soll ich sagen? Etwa 25 junge Medienleute in Ausbildung suchen sich eine Woche genau die Themen aus, die nach Spaß klingen und schwierig umzusetzen sind. Eine etwas kleinere Gruppe junger und jung gebliebener, bereits ausgebildeter Medienleute versucht, sie dabei so gut es geht zu unterstützen und nicht irre zu werden. Es war herrlich!
Weil in meinem Redaktionsalltag Schreiben vorherrscht, wollte ich alles andere ausprobieren: Von 12 bis15 Uhr den Leuten beim Mittagessen das Aufnahmegerät unter die Nase halten, von 19 bis 22 Uhr mit Smartphone, Ansteckmikrophon und Stativ der besten Instagram Story nachjagen, am nächsten Morgen einen Impuls auf Twitter begleiten.
Ich bin sehr neugierig geworden auf Medienarbeit bei Großveranstaltungen und würde die Erfahrung gern wiederholen. Dann aber definitiv mit »Panzertape« – was Zeltstangen stabilisiert und Schuhe abdichtet, kann bestimmt ein abgebrochenes Smartphone-Stativ reparieren.

Das Festivalgelände
Ein typisches Street-Festival: Viele Bühnen und Veranstaltungsorte über die ganze Stadt verteilt. An den Hauptabenden – vor allem am »Abend der Begegnung« – immer was los: Musik, Reden, Essen, Tanzen, Streiten. Auf dem Schlossplatz das bekannte „Ins-Gras-lümmeln-bis-auf-der-Bühne-wieder-was-passiert“-Phänomen. Fühlte sich ganz warm und vertraut an. Fast wie der Regenponcho am Donnerstag.

Die Unterkunft
War unschlagbar, unaussprechlich, unbegreiflich viel besser als auf jedem Festival, auf dem ich je war. Trockene Zimmer oder Turnhallen statt Saunazelt. Eine zwei Quadratmeter große Dusche – eine Dusche! Obst und Münsteraner Spezialitäten statt Cornflakes mit Baileys. Nur geschlafen habe ich ähnlich wenig. Das lag aber mehr an den Artikeln, Audio-Slideshows und Instagram Stories, die bis in die Nacht produziert wurden, als an grölenden Zeltnachbarn.

Das Feiern
Weil JEDER Ifpler den „Irischen Segensgruß“ mit so viel Gefühl singt wie eine Hymne von Queen, hatte ich hier ein paar Erwartungen – und wurde nicht enttäuscht: Die Gottesdienste mit zehntausenden Teilnehmern hatten eine unglaubliche Atmosphäre. Blaue Flecke gab’s auch so gut wie keine, die Leute haben wohl wirklich Frieden gesucht. Kleinere Feiern und Konzerte boten charmante Künstler und gut gelaunte Menschen. Was gesagt wurde, auf großen wie auf kleinen Bühnen, hatte (meistens) Gewicht und Charisma. Daumen hoch für die Glaubens-Feierei.