Vom 02.06.2018 -- Victoria Förster
Mit Vollgas durchs Volo
Gut vor Sonne geschützt Dank Kermit.

 

Würzburg, Mittwoch 9. Mai, später Vormittag. Eine Kollegin hatte mir angeboten, mich im Auto mit nach Münster zu nehmen. Ich nehme gerne an – keine überfüllten Züge mit defekter Klimaanlage, kein verpasster Anschluss in irgendeinem Dorf in Westfalen, keine ekligen Essensgerüche. 387 Kilometer liegen nun vor uns, mehr als vier Stunden Fahrt. Noch bevor wir losfahren, muss ich lachen. Dank ihrer beiden Kinder ziert Kermit der Frosch aus der Sesamstraße den Sonnenschutz an den hinteren Fenstern. Gute Laune ist also schon mal garantiert.

Während der ersten Kilometer unterhalten wir uns über Münster, das Programm, die Wetterprognose. Es ist nicht anders, als mit einer Sitznachbarin im Zug – außer, dass wir uns bis zur Autobahn einmal verfahren, weil wir zu viel ratschen (sagt man in Franken so, bedeutet in etwa schwatzen, sich locker unterhalten) und nicht nach den Hinweisschildern schauen. Irgendwann landen wir dann aber doch unausweichlich beim Thema Arbeit – und dem (für uns) schönsten Job der Welt.

Meine Kollegin erzählt, wie sie das ifp und ihre Ausbildungsredaktion erlebt hat – mehr als 10 Jahre vor mir. Manches kommt mir auch heute bekannt vor, ebenso erkenne ich Marotten der Kollegen wieder. Dann will ich mehr wissen über ihren Volo-Jahrgang: Was wurde aus ihren Mitvolontären? Haben sie noch Kontakt, treffen sich vielleicht sogar beim Katholikentag? Oder ist sie etwa als einzige in der katholischen Medienlandschaft geblieben? Im Gegenzug interessiert sie, wer wir aktuellen Volos sind: Welche Medien sind vertreten? Was haben wir gemacht, bevor wir beim ifp landeten? Wie sind die Referenten? Schließlich hat sich auch in den Kursinhalten einiges verändert – wir schneiden digital, befassen uns mit Facebook, Twitter und Instagram, werden mit dem Handy zum VJ. Wie sie früher einfach mit der Schere das Tonband auseinandergeschnitten und die Reste wieder passend zusammengeklebt hat, kann ich mir absolut nicht vorstellen. Oder Fotos zu schießen und bis zum Entwickeln warten zu müssen, ob der Bischof nicht auf dem Großteil den Stab vor den Augen oder das Mikro im Gesicht hat.

Meine Kollegin erzählt, wie sie zum Journalismus kam und warum sie bis heute dabeigeblieben ist. Ich nutze die Gelegenheit um sie mit weiteren, ganz praktischen Fragen zu löchern. Empfiehlst du mir eine Mitgliedschaft im DJV? Wie bist du damals in die Freiberuflichkeit gestartet, nachdem du einige Jahre als Redakteurin fest für das Sonntagsblatt gearbeitet hast? Sie spricht ganz offen mit mir über Startschwierigkeiten, übliche Preise oder ihre Babypausen. Für solche Unterhaltungen hätten wir im Redaktionsalltag vermutlich keine Zeit gefunden und die Fragen einfach auf "später" verschoben.

Wir haben übrigens Dank unserer Plauderei prompt den falschen Parkplatz an der Münsterlandhalle angesteuert (Süd statt Nord) und konnten daher das Pressezentrum nicht sofort finden. Dafür ist mein Orientierungssinn für die verbleibende Volo-Zeit und das Danach seit der gemeinsamen Fahrt ein bisschen besser ausgeprägt.