Vom 10.04.2018 -- Nadine Vogelsberg
Begegnungen mit dem Papst
Foto: Vogelsberg

Das dolce far niente perfektioniert zu haben ist ein gängiges Vorurteil, das Deutsche gegenüber Italienern pflegen. Wer auch immer es in die Welt gesetzt hat – die Redaktion von Vatican News kannte er nicht. Vatican News, das war bis vor kurzem noch Radio Vatikan, der Radiosender der Neuigkeiten zu Kirche und Welt in 45 Sprachen sendete. Die vielen Sprachen gibt es immer noch, das Radioprogramm auch – aber nun ist das Angebot unter neuem Namen stärker auf die Formate online und multimedia ausgerichtet.

An meinem ersten Tag waren es trotzdem die vielen Sprachen, die mich faszinierten. Da ging es einen langen, sehr langen Flur hinunter, vorbei an unzähligen Türen, jede mit einem anderen Schildchen versehen, das verkündete, welche Sprache hinter dieser Tür gesprochen wird. Draußen, auf dem Flur aber sprechen alle italienisch. Ganz am Ende des Korridors dann endlich – eine Tür mit dem Schild „tedesco“: Hier spricht man deutsch.

Zeit zum Ankommen und Cappuccino trinken hatte ich aber nicht. Es ging direkt los: Vox Pops auf der Via della Conciliazione einsammeln, Kardinäle interviewen, Nachrichten sprechen, Beiträge bauen – von wegen dolce far niente!

Und dann läuft man auch noch dem Papst über den Weg. Mehrfach.

So zum Beispiel bei der Eröffnung der Vorsynode der Jugend, die im März in Rom stattfand. In der einen Minute stehe ich noch nichts ahnend  mit meinen Kollegen auf dem Gang und unterhalte mich, im nächsten Augenblick werden wir auch schon von Security-Leute zur Seite gedrängt. Und während wir uns noch wundern, was das plötzliche Chaos soll, spaziert Papst Franziskus auch schon freundlich lächelnd auf Armeslänge entfernt an uns vorbei. Hoppla!

Beim nächsten Mal war ich besser vorbereitet – dass mir der Papst zu Ostern im Vatikan begegnen könnte, kam immerhin weniger überraschend. Es ging also durch die Porta Sant’Anna in den Vatikan, vorbei an freundlichen Schweizer Gardisten, durch Zimmer mit hohen Decken und Marmorböden so blankgeputzt, dass man sich darin spiegeln konnte. Noch einige Treppen hinauf hinter der Benediktionsloggia des Petersdoms vorbei bis zu den kleinen, ebenfalls nach Sprachen beschriftet Übertragungsboxen. Dann also los, Live-Übertragung für TV und Radio! Aber was mich eigentlich nervös machte, war nicht die Gefahr eines Versprechers vor so großem Publikum, sondern das, was kam, als die Sendung durch war: Händeschütteln mit Franziskus. Was sagt man dem Papst, wenn man ihm die Hand gibt? Immerhin war ich nicht die einzige, die noch einmal schnell Haare und Kleidung richtete. Nervöses Geflüster ging um, als sich alle Journalisten brav in eine Schlange stellten, die bis zur Benediktionsloggia ging, wo Franziskus stand und unermüdlich Hände schüttelte. Schritt für Schritt kam ich näher. Und dann stand ich vor Papst Franziskus und wir gaben uns die Hand.  Ich habe mich dann für ein schlichtes „Buona Pasqua“ entschieden. Und er hat gelächelt, genickt und mir die Hand gereicht – wortlos. Aber immerhin, das Lächeln war freundlich und der Händedruck war weder zu lasch noch zu fest. Und doch: Insgesamt ging alles sehr schnell: Für jeden Journalisten gab es vom Papst ein Lächeln, einen Händedruck und einen Rosenkranz.

Und dann ging es auch schon zurück an den Schweizer Gardisten vorbei und über den sonnigen Petersplatz in meinen so gar nicht alltäglichen Praktikanten-Alltag im Vatikan.

Buona Pasqua!