Vom 15.02.2018 -- Victoria Förster
Eingesperrt bei der katholischen Wochenzeitung? Von wegen!
Ausblick aus der Redaktion. Foto: Victoria Förster

Katholisches Sonntagsblatt: das klingt für junge Journalisten oft angestaubt und unflexibel. Und dann ist das Fenster hinter meinem Schreibtisch auch noch vergittert – ob man in den zwei Jahren als Volo überhaupt mal über den eigenen Kirchturm hinaus kommt, auf den man täglich blickt? Das ist auf dieser Gebäudeseite der Redaktion übrigens noch nicht einmal der Dom...

Der Alltag in der Redaktion des Würzburger katholischen Sonntagsblatts hat mich eines Besseren belehrt. Seit Beginn meines Volontariats im Oktober war ich schon viele hundert Kilometer im Bistum unterwegs – nicht nur zu Gottesdiensten, Ehrungen und Vorträgen, wie man vielleicht denken möchte. Nein! Ich besuchte Kindergärten und traf tanzende Senioren, durfte mit dem Bistumsfernsehen zu einem Kettensägen-Künstler fahren oder ein Interview mit einem Autor führen, der einen Adventskalender voller Popsongs zusammengestellt hat.

Mein Höhepunkt nach den ersten vier Monaten war dann die journalistische Begleitung einer Pilgerreise nach Mailand. Hier berichtete ich natürlich erst im Nachgang, am heimischen Schreibtisch sitzend, für das Sonntagsblatt. Zuvor setzte ich mich aber in Echtzeit mit Instagram und Facebook auseinander. Und da kamen ganz ungewohnte Probleme auf mich zu: Heißt das jetzt Einzelsegen oder Einzelsegnung? Wenn man über den Account des Bistums postet, überlegt man besser einmal mehr. Die Reichweite eines nicht ganz korrekten Begriffs ist nämlich deutlich höher als bei privaten Posts ­– und irgendeinen findigen User gibt es mit 100-prozentiger Sicherheit, der die Welt gleich unumwunden auf den falschen Terminus aufmerksam macht. Unendlich peinlich, gerade als Volontär. Hat man doch im Redaktionsalltag sonst einen gewissen „Kükenschutz“ und die Gewissheit, dass erfahrene Redakteure noch einmal über alle Texte lesen.

Umso dankbarer bin ich, dass mir die Herausforderung zugetraut wurde und ich gleich zu Beginn des Volos dieses Highlight erleben durfte. Es ist also im Nachhinein sicher nur Zufall, dass ausgerechnet der Schreibtisch des Volontärs an dem einzigen (!) vergitterten Fenster in der gesamten Redaktion steht. Puh, Glück gehabt.