Vom 12.10.2016 -- Sara Mierzwa
Gegen die Arbeitssucht
Schreibtisch mit Heft und Stift
„Ach das wäre ja mal ein interessantes Thema für die Zeitung“, ist ein typischer Gedankengang, wenn ich mit Freunden gemütlich zusammensitze und über das Leben rede. Am liebsten würde ich gleich meinen Notizblock herausholen und mir während des Gesprächs Stichpunkte aufschreiben. Konträr geht es bei den Diskussionen ohnehin meistens zu. Da müsste ich mir nicht einmal überlegen, was der kritische Zugang zum Thema sein könnte. „Kannst du noch ein konkretes Beispiel geben?“, höre ich mich fragen. Halt, Stopp! Das ist keine Interviewsituation, sondern ein Treffen mit Freunden. Ablenkungsmanöver eins: Noch mehr Essen auf den Teller laden, als Freundin zuhören und weder Notizblock noch Stift aus der Handtasche holen.
 
Im Saunaruheraum mit Liegen und Decken: Auf dem Tisch liegen aktuelle Zeitungen und Zeitschriften. „Wie die wohl ihre Bildunterschriften formulieren? Da kann ich bestimmt etwas lernen“, geht mir durch den Kopf.  Ich greife mir drei Zeitschriften aus verschiedenen Themenbereichen und fange an, sie miteinander zu vergleichen. Halt, Stopp! Das ist Freizeit und keine Arbeitszeit. Die Liegen sind da um sich hinzulegen und die Zeitschriften zur Unterhaltung. Ablenkungsmanöver zwei: Hinlegen, tief in den Bauch atmen und Gedanken vorbeifliegen lassen. Im Notfall kann man sich auch Ohrstöpsel in die Ohren stecken und einlullende Enja-Musik hören.
 
Ein Abend alleine Zuhause. Zeit für mein Tagebuch. Ich blättere gedankenverloren durch meine Vergangenheit und gebe den Träumen für die Zukunft Raum. Müde schreibe ich Wörter und Sätze, ohne den Anspruch, schön zu sein. „Ich sollte unbedingt mit verschiedenen sprachlichen Mitteln experimentieren. Das ist auch für Blog-Beiträge gut. Was könnte ein passendes Bild für dieses Gefühl sein?“ , meldet sich eine Stimme. Halt, Stopp! Das sind meine ungefilterten Gedanken und Gefühle - und dieses Tagebuch muss keinen Journalistenpreis gewinnen. Ablenkungsmanöver drei: Extra unordentlich schreiben und mich in den Sessel setzen oder auf den Boden legen. Dann ist es deutlich zu spüren: Das ist keine Arbeitsplatzsituation.