Vom 31.07.2016 -- Linda Bößing
Challenge accepted

Über mir die Glocke, die es zu erreichen gilt, unter mir 25 Meter nichts, dann das Wasser. Dazwischen klettere ich in einem neon-orangefarbenen T-Shirt den Mast hoch. Bloß nicht nach unten gucken. „Linda, guck doch bitte mal zu mir runter. Und jetzt lehn dich etwas zurück und halte dich nur mit einer Hand fest“, ruft der Fotograf von unten. Stimmt, ich bin ja nicht zum Spaß hier. Mit einer Kollegin aus der „Welt“-Hamburg-Redaktion nehme ich am „Pop in the City“ teil, um daraus einen Erlebnisbericht zu schreiben.

Meldungen schreiben, Pressekonferenzen besuchen, Reportagen schreiben – ja, damit hatte ich gerechnet, als es mich für mein Praktikum in den Norden zur „Welt“ zog. Dass ich mich an meinem ersten Wochenende in Hamburg in der Takelage der Rickmer Rickmers, einem dreimastigen Frachtsegelschiff, wiederfinden würde, hätte ich nicht gedacht.

Die Idee zu „Pop in the City“ stammt von drei Französinnen, die bedauerten, dass sie auf ihren Reisen die Stadt immer nur von der touristischen Seite kennenlernten. Man kratze nur an der Oberfläche und mit Einheimischen käme man kaum in Kontakt. „Pop in the City“ ist eine Schnitzeljagd nur für Frauen, die die Teilnehmer quer durch die Stadt führt. An jeder Station müssen „Challenges“ gemeistert werden, um weiter zu kommen.

Von meinem ersten Sticker in der „Roadmap“ trennen mich nur noch wenige vertikale Meter Tau. Ich läute die Glocke, wage einen kurzen Blick über die Landungsbrücken und den Hamburger Hafen und bin dann froh, wieder sicheren Stand zu haben. Zeit zum Stehenbleiben ist aber kaum. Eva und ich eilen zur nächsten Challenge. Zwischendurch tauchen immer wieder Frauen in orangefarbenen T-Shirts auf, die, wie wir, auf der Jagd nach dem besonderen Charme der Stadt sind. Und dafür sind sie bereit alles zu geben. Ob sie auf dem Beatles-Platz einen Song schmettern, als Meerjungfrauen verkleidet durch einen Pool schwimmen oder sich auf der Reeperbahn in einem Club an der Pole-Dance-Stange winden. Keine Mühen und Peinlichkeiten werden gescheut.

Zwischen den Teilnehmerinnen aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und vielen Städten Deutschlands falle ich gar nicht auf. Ich habe genauso wenig Ahnung in welche U-Bahn ich steigen muss, um von der Hafen-City nach Altona zu kommen und habe genauso wenig Erfahrung im „Vogueging“, ein Tanzschritt, der uns bei einer Challenge all unsere Weiblichkeit abverlangt. Nur ab und zu merkt man dann doch, dass ich nicht aus reinem Freizeitvergnügen hier bin: Immer dann, wenn ich Block und Stift zücke, Fragen stelle und Fotos knipse.